Myzel-Animpfung mit Prof. Dr. Claus Bässler (Universität Bayreuth), Umweltminister Thorsten Glauber, Dr. Norbert Schäffer (LBV) und Dr. Christoph Hahn (BMG) (v.l.n.r.) © Michael Bäumler

Der Lehrstuhl „Ökologie der Pilze“ unter Leitung von Prof. Dr. Claus Bässler startete mit dem Eröffnungstermin auf den Versuchsflächen nahe Bad Staffelstein offiziell in ein neues Projekt. Das auf vier Jahre angelegte Naturschutz- und Forschungsprojekt „Pilzartenschutz in Bayern – mit Schwerpunkt Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete“ stärkt gezielt den Schutz einer im Naturschutz bislang häufig unterschätzten Organismengruppe. Gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds mit rund 764.000 Euro wird das Vorhaben gemeinsam vom LBV, der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft und der Universität Bayreuth umgesetzt.

„Wir begrüßen, dass die Gruppe der Pilze durch dieses Projekt im Naturschutz verstärkt in den Fokus rückt. Als sensible Indikatoren spiegeln sie die Qualität und Kontinuität besonders schützenswerter Lebensräume wider, die im Vergleich zu anderen Organismengruppen bislang häufig weniger im Zentrum der Aufmerksamkeit standen“, sagt Prof. Bässler.

Im Mittelpunkt stehen gefährdete Pilzarten in nährstoffarmen Offenlandstandorten, sowie Feuchtgebieten. Besonderes Augenmerk gilt dabei den sogenannten CHEGD-Pilzen, darunter Keulen- und Korallenpilze (Clavariaceae), Saftlinge (Hygrocybe), Rötlinge (Entoloma), Erdzungen (Geoglossaceae) sowie Samtritterlinge (Dermoloma), die als wichtige Indikatoren extensiv genutzter, artenreicher Lebensräume gelten.

Ergänzend werden auch hochgradig seltene holzbewohnende Arten wie der Struppige Stachelrindenpilz (Gloiodon strigosus) und der Zweisporige Goldnabeling (Haasiella venustissima) berücksichtigt, von denen in Bayern nur noch einzelne Vorkommen bekannt sind.

Der Struppige Stachelrindenpilz ist vom Aussterben bedroht. © Magdalena Ordosch

Ziel des Projekts ist es, bestehende Wissenslücken zur Verbreitung, Ökologie und Gefährdungsursachen bedrohter Pilzarten zu schließen und daraus konkrete Schutzstrategien abzuleiten. Hierfür werden klassische Kartierungen mit modernen molekularen Methoden wie Metabarcoding kombiniert. Darüber hinaus werden praxisnahe Maßnahmen zur Habitatverbesserung und Wiederansiedlung erprobt, darunter Heu- und Sodenübertragungen sowie die gezielte Inokulation geeigneter Totholzsubstrate. Einige inokulierte Stämme aus einem Vorversuch liegen bereits im Arboretum des ÖBG.

Der Lehrstuhl bringt seine ausgewiesene Expertise in der Pilzökologie, der molekularen Biodiversitätsforschung sowie der Auswertung von Umweltdaten in das Vorhaben ein. Sie übernimmt damit eine zentrale Rolle bei der wissenschaftlichen Begleitung, der Datenauswertung sowie der Entwicklung evidenzbasierter Handlungsempfehlungen für den praktischen Pilzartenschutz in Bayern.

Prof. Dr. Claus BässlerÖkologie der Pilze

Universität Bayreuth
Tel.: + 49 (0)921 / 55-2453
E-Mail: claus.baessler@uni-bayreuth.de

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