Neue Wege in Bewerbungsverfahren
Der 34-jährige Saurabh Bagh hat 2020 seinen Master in Computer Science an der Uni Bayreuth abgeschlossen, lebt und arbeitet als Software- und Produktentwickler in Berlin und entwickelt Plattformen für Universitäts- und Jobbewerbungen.
„Ich hätte auf jeden Fall Spaß daran, wieder Student zu sein. Das Studium ist eine so einzigartige Lebensphase, da man ein so breit gefächertes Umfeld hat, in dem man verschiedene Interessen verfolgen und das für sich entdecken kann, was man später machen möchte“, sagt Saurabh Bagh. Er würde trotz seines Erfolgs in der Selbstständigkeit heute vielleicht nicht mehr das Gleiche studiere. Er interessiert sich auch für andere Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität oder Klimatechnologie, vor Allem inwiefern sich KI und VR nutzen lassen, um auf die Klimaproblematik aufmerksam zu machen. Sein Hauptinteresse bleibt jedoch weiterhin Informatik und Ingenieurswissenschaften.
Er bestärkt Studierende und angehenden Entwicklerinnen und Entwickler während ihrer Studienzeit auch kleinen Ideen nachzugehen, mit Leuten darüber zu reden, auszuprobieren und auch die Möglichkeiten der Unterstützung rund um die Universität zu nutzen.

Seine erste Plattform - HowToAbroad hatte Bagh mit seinem ehemaligen Studienkollegen Prakash Verma konzipiert, um internationalen Studierenden die Bewerbung an deutschen Universitäten und das alltägliche Leben zu erleichtern. Diese konnte sich gegen aufstrebende KI-Tools nicht durchsetzen, da diese die vermittelten Informationen leichter und direkter zugänglich machen konnte. Die beiden Entwickler gingen dann getrennte Wege und Bagh begann das Grundprinzip von HowToAbroad weiterzuentwickeln zur Plattform UniStacky, welche derzeit noch getestet wird. UniStacky hilft Studierenden Universitäten zu finden und diese nach individuellen Bedürfnissen in die engere Wahl mit aufzunehmen.
In seinem persönlichen Umfeld beobachtete er Entlassungen und die darauffolgenden Bewerbungsprozesse, in denen er bemerkte, dass die Menschen keine Möglichkeit haben, den Überblick darüber zu behalten, wo und wann sie sich beworben hatten und was mit den einzelnen Bewerbungen geschehen war. Aus dieser Beobachtung entwarf er einen Prototyp zum Tracking von Bewerbungen. Er mündete schlussendlich in der Bewerbungsplattform JobStacky. „Diese Plattform bezieht Probleme, mit denen Bewerberinnen und Bewerber heute konfrontiert sind direkt ein und erleichtert das Bewerbungsverfahren“, erklärt er. JobStacky hilft dabei, Bewerbungen zu organisieren, gelöschte Stellenbeschreibungen zur späteren Nutzung in Bewerbungsgesprächen aufzubewahren und anonyme Erfahrungsberichte aus Gesprächen und dem Unternehmen selbst zu teilen. Außerdem unterstützt die Plattform die Erstellung von ATS (Applicant Tracking Systems) -kompatiblen Lebensläufen. Auf lange Sicht soll JobStacky dabei helfen, Einblicke zu geben, welche Unternehmen tatsächlich Bewerberinnen und Bewerber suchen und dadurch auch den Bewerbungsprozess transparenter zu machen.
Bagh erzählt, dass sein Arbeitsalltag sehr unterschiedlich ist, da er an manchen Tagen nur mit dem Schreiben von Code beschäftigt ist, während er an anderen den Kontakt von Usern sucht, um deren Probleme zu verstehen und einzubeziehen. „Als Gründer und Entwickler muss ich in verschiedenen Bereichen tätig sein. Das kann sehr herausfordernd sein, macht die Arbeit aber auch spannend.“ Für den Alumnus ist das Gründen und Entwickeln mehr als nur das fertige Produkt, sondern für ihn sind die Prinzipien und Absichten hinter seiner Arbeit von höchster Wichtigkeit. Das Problem zu verstehen, den Menschen Gehör zu schenken, selbst Erfahrung zu sammeln und etwas mit echtem Mehrwert zu entwickeln, sind für ihn ein essentieller Teil seiner Arbeit. Ein großer Vorteil ist für Bagh allerdings die Freiheit, durch die er sich selbst aussuchen kann, an welchen Problemen und Projekten er arbeiten möchte und immer versuchen kann, Ideen selbst umzusetzen. Er kommt ursprünglich aus einem eher technischen Fachbereich, kann aber durch seine Selbstständigkeit Einblicke in viele andere Bereiche werfen und Erkenntnisse sammeln.
Bagh reflektiert, dass er auch mehr Gelegenheiten hätte ergreifen können, sein Studium zu genießen, indem er Risiken eingeht, verreist, Leute kennenlernt und Spaß hat. „Studium und Karriere sind wichtig, aber nicht alles!“

Jennifer Opel
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