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Thurnauer Tanzboden

UBTaktuell: Was ist der Thurnauer Tanzboden?

Dr. Silvia Bier: Der Thurnauer Tanzboden ist ein öffentlicher historischer Ball im Stil des 18. Jahrhunderts auf Schloss Thurnau. Die Idee ist ein Ball, wie er am Hof der Grafen Giech von Thurnau hätte stattfinden können. Man könnte also sagen, es ist ein Living history-Event, bei dem sich alles um das historische Tanzen und die höfische Festkultur an einem kleinen fränkischen Hof dreht.

Wie sind Sie dazu gekommen, daraus eine Veranstaltung zu machen?

Bier: Die Veranstaltung ist Teil meines laufenden Forschungsprojektes "Public Music History", bei dem ich untersuche, wie wir uns durch künstlerische Praxis wie Musik und Tanz mit Geschichte auseinandersetzen. Ich untersuche das an insgesamt drei Beispielen, zu denen jeweils eine öffentliche Veranstaltung gehört, beginnend mit dem Ball, später ein Konzert und eine Ausstellung. Jedesmal ist ein historisches Artefakt Ausgangspunkt, beim Thurnauer Tanzboden ist es ein Tanzbuch mit Gesellschaftstänzen aus dem 18. Jahrhundert, das wir vor einigen Jahren in der alten Schlossbibliothek gefunden haben. Diese Tänze kann man beim Thurnauer Tanzboden getanzt sehen und auch selbst mittanzen.

Wer ist in der Vorbereitung alles involviert?

Bier: Vor allem unsere Studierenden des BA Musiktheaterwissenschaft und des MA Musik und Performance. Wir haben zusammen das Konzept und das Programm ausgearbeitet, die Studierenden sind auch die 'Darstellenden', die tanzen und musizieren werden. Wir waren mit einigen Studierenden im Staatsarchiv in Bamberg und haben dort recherchiert, was zum Leben und Feiern am Hof in Thurnau überliefert ist - und man muss sagen, Feiern konnte man in Thurnau!

Ist es die erste Veranstaltung dieser Art?

Bier: 2022 gab es bereits einmal einen Thurnauer Tanzboden, bei dem wir - noch als rein künstlerisches Projekt - die Tänze einfach mal ausprobieren und der Öffentlichkeit das Tanzbuch präsentieren wollten. Aus dem damaligen Eindruck, wie sehr ein solches Format auch eine ganz spezielle Form der Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte ist, entstand die Idee zum Forschungsprojekt und damit zu einem zweiten Thurnauer Tanzboden.

Was ist in diesem Jahr anders?

Bier: Dem Ball ging diesmal eine umfassende historische Recherche voran, so dass wir in Quellen überlieferte Details zu Hoffesten in Thurnau konkret aufgreifen können. Aber auch der Ball selbst wird akribischer und systematischer dokumentiert. 

Davon abgesehen sind es jetzt natürlich andere Studierende, die mit ihren Ideen dem Ball eine andere Gestalt geben. Zum Beispiel ist diesmal der fiktive Zeitpunkt des Balls das Jahr 1776, weil wir das Tanzbuch inzwischen auch etwa in die 1770er Jahre datieren können.

Wie kommt man an Karten?

Bier: Es wird ca. zwei Wochen vorher die Möglichkeit geben, per eMail Karten zu reservieren. Das genaue Datum für den Reservierungsstart wird auf der Website und auf dem Instagram-Kanal noch veröffentlicht. Letztes Mal waren die Karten binnen weniger Tage alle reserviert, denn sie sind begrenzt.

Muss man selbst ein historisches Gewand tragen, wenn man teilnehmen will?

Bier: Es gibt einen Dresscode: idealerweise ein passendes historisches Kostüm, alternativ Tracht, mindestens jedoch festliche Abendgarderobe. 

Die Tänze kann man erfahrungsgemäß auch ad hoc am Abend des Balls erlernen und mittanzen. Wer auf Nummer sicher gehen und sich vorbereiten will, für den bieten unsere Studierenden in den Tagen vor dem Ball eine Tanzstunde an. Auch dazu findet man im Laufe des Oktober Informationen auf der Website und dem Instagram-Kanal.

https://www.prof-musikwissenschaft.uni-bayreuth.de/de/forschung/Public-Music-History/index.html

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Thurnauer Tanzboden
Jennifer Opel

Jennifer Opel

Stellvertretende Pressesprecherin, Leitung Campusmagazin UBTaktuell

Tel: +49 (0)921-55 5893
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