Interkulturelle Innovationen
Im Rahmen der International Business Plan Competition (IBPC) 2026 reisten 16 Studierende der Universität Bayreuth in diesem Jahr an die King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) in Saudi-Arabien. Zehn Tage lang arbeiteten sie gemeinsam mit Studierenden der Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) und der KAUST in international gemischten Teams an innovativen Geschäftsideen rund um das Leitthema Energy & Sustainability.
Die Teilnehmenden der International Business Pan Competition 2026.
Die IBPC zeichnet sich seit jeher dadurch aus, dass nicht die Universitäten gegeneinander antreten, sondern die Studierenden über kulturelle und fachliche Grenzen hinweg in gemischten Teams zusammenarbeiten. Dies ermöglicht besondere Lernerfahrungen und schafft ein Umfeld, in dem neue Perspektiven und Arbeitsweisen aufeinandertreffen und vielseitige kulturelle Erfahrungen gesammelt werden.
Zu Beginn des zehntägigen Programms erhielten die Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in aktuelle Entwicklungen im Bereich nachhaltiger Energie: Einerseits eröffneten Fachvorträge über alternative Energieträger wie Wasserstoff und synthetisch hergestellte Brennstoffe für Benzinmotoren Perspektiven auf die technischen Möglichkeiten der industriellen Erzeugung und unternehmerischen Hürden bei der Vermarktung dieser Alternativprodukte. Auf der anderen Seite zeigte ein Besuch der Labore der KAUST, wie an nachhaltigen Lösungen für den Transportsektor, die Energiespeicherung und die CO2-Abscheidung geforscht wird. Ergänzt wurde dies durch eine Besichtigung des universitätseigenen Recyclingunternehmens, das in Saudi-Arabien als Pilotprojekt in der Wiederverwendung von Rohstoffen gilt. Eine Exkursion zum E-Autohersteller Lucid verdeutlichte eindrucksvoll die Dynamik des Investitionsklimas in Saudi-Arabien: Eine bereits in Betrieb genommene Fertigungshalle bildet die Keimzelle eines entstehenden Automobilwerks in der im Aufbau befindlichen Planstadt King Abdullah Economic City. Binnen zehn Jahren soll diese neue Stadt zu einer Millionenmetropole anwachsen. Das Projekt ist als Standbein einer ölunabhängigen Zukunft geplant. Die Herausforderungen liegen darin, in den nächsten Jahren nicht nur den Absatzmarkt für die Fahrzeuge, sondern auch das industrielle Ökosystem der Zulieferer sowie das Know-How von Fachkräften aufzubauen. Diese Einblicke in modernste Forschung, industrielle Umsetzung sowie den durch die Diffusion neuer Technologien geprägten gesellschaftlichen Wandel bildeten die Grundlage für die weitere Arbeit der Studierenden an ihren Geschäftsmodellen.
Labor-Besuch an der KAUST.
Auf dieser Basis begann eine intensive Phase des Konzipierens, Verwerfens, Weiterentwickelns und Durchdenkens neuer Geschäftsideen. In mehreren Workshops – von Ideation über Entrepreneurship bis hin zu Smart Risk Management – vertieften die Teams ihre Fähigkeiten zur Ausarbeitung tragfähiger innovativer Ansätze und wendeten diese Methoden auf ihre eigene Projektidee an. Begleitet wurden sie dabei in regelmäßigen Mentoring-Sessions unter anderem von Prof. Dr. Volker Altstädt (Lehrstuhl für Polymere Werkstoffe), Prof. Dr. Stefan Seifert und Christoph Kretschmer (beide Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement). Das Mentoring war gezielt darauf ausgerichtet, die Teams auf ihrem Weg von ersten Gedanken zu einem belastbaren Geschäftsmodell zu unterstützen. Neben diesen Arbeitsphasen boten der kulturelle Austausch und gemeinsame Aktivitäten, wie der Besuch der Altstadt von Dschidda, ein Fußballturnier oder eine abendliche Bootsfahrt, Gelegenheiten, sich auch abseits der Projektarbeit besser kennenzulernen und internationale Beziehungen aufzubauen.
Das Team Future Heat um die Bayreuther Studierenden Joshua Kaul (3.v.l.) und Vanessa Nering (3.v.r.) konnte die Jury aus Entrepreneuren und Venture Capitalists überzeugen.
In den letzten Tagen des Programms feilten die Teams intensiv an der Ausarbeitung ihrer Ideen. Manche gingen dabei den im Entrepreneurship häufig notwendigen Weg: Sie verwarfen erste und zweite Ansätze, überarbeiteten das bisherige Konzept, ergänzten weitere Ideen und schlugen neue Richtungen ein. Die Präsentationsproben, begleitet von detailliertem Feedback der Mentorenschaft, sowie ein Workshop zum Pitchen und Vorstellen von Geschäftsideen halfen dabei, die finalen Präsentationen zu schärfen. Die Vorträge am letzten Wettbewerbstag zeigten eindrucksvoll, wie kreativ die Studierenden die Herausforderungen im Bereich Energie und Nachhaltigkeit aufgegriffen hatten. Das Gewinnerteam Future Heat um die Bayreuther Studierenden Vanessa Nering und Joshua Kaul überzeugte die Jury mit einer Lösung, bei der überschüssige Solarenergie als thermische Energie in großen Sandsilos am Standort von Industrien gespeichert wird und bei Bedarf als Prozesswärme genutzt werden kann. Dieser Ansatz verbindet erneuerbare Stromproduktion mit einer robusten und skalierbaren Form der Wärmespeicherung. Sand wird dabei als reichlich verfügbare Ressource verwendet, um die Probleme des temporären Überschusses erneuerbarer Energien sowie die bedarfsgerechte Versorgung energieintensiver Industrien zu adressieren.
Für viele der Teilnehmenden war die IBPC weit mehr als ein Wettbewerb. Der Student Jacob Krüger (UBT) brachte es so auf den Punkt: „Die IBPC zwingt einen, echten Austausch zu betreiben – über Kulturen, Arbeitsweisen und Fachhintergründe hinweg. Man erhält Feedback zum Pitchen und zu Aspekten des Business Plans, für das im normalen Uni-Alltag keine Zeit wäre. Am besten hat mir gefallen, mit einer Gruppe motivierter und kulturell interessierter Studierender zusammenzuarbeiten und neue Freundschaften zu schließen.“
Auch das Kennenlernen über Team-Grenzen hinweg kam nicht zu kurz: Bootsausflug im Roten Meer zum Sonnenuntergang.
Insgesamt bot die IBPC 2026 den Bayreuther Studierenden somit eine außergewöhnliche Gelegenheit, umfassende Praxiserfahrungen in internationaler Teamarbeit zu sammeln, innovative Geschäftsideen zu entwickeln und gleichzeitig eine neue akademische und kulturelle Umgebung kennenzulernen. Die Mischung aus wissenschaftlichen Impulsen, unternehmerischer Praxis und interkulturellem Austausch machte die Reise zu einem besonderen Erlebnis, das die Teilnehmenden sowohl fachlich als auch persönlich bereicherte.
Ganz besonderer Dank gilt den Unterstützern, ohne deren Hilfe die Durchführung der Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Hervorzuheben ist insbesondere die Ingeborg-Gross-Stiftung, die den Wettbewerb finanziell mit einer Spende förderte.
Im kommenden Jahr wird die nächste Auflage der IBPC von der UBT in Deutschland organisiert. Unter Leitung von Prof. Dr. Volker Altstädt und Prof. Dr. Stefan Seifert werden der tiefgreifende Austausch zwischen Studierenden und Unternehmen zu einem innovativen Thema mit konkretem Bezug zur unternehmerischen Praxis sowie die Entwicklung von tragfähigen Geschäftsideen im Vordergrund stehen. Interessierte Studierende, die die Universität Bayreuth im Januar 2027 repräsentieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei Christoph Kretschmer (Lehrstuhl TIM) zu melden und sich ab Juni 2026 zu bewerben. Das Programm bietet erneut die Möglichkeit einer praxisnahen und interkulturellen Lernerfahrung im Bereich Entrepreneurship.
