Zeitreise auf dem Uni-Campus
Die Paläobotanische Sammlung Rossmann bewahrt an der Universität Bayreuth über 25.000 Pflanzenversteinerungen als Zeugnisse urzeitlicher Umwelten – und das seit 30 Jahren. Am 19. Oktober 2026 feiert die Sammlung mit einem Festakt Jubiläum.

Auf dem Campus der Uni Bayreuth können sich Forschende, Studierende sowie Interessierte auf eine Zeitreise von hunderten Millionen Jahren begeben. In einem Gewächshaus des Ökologisch-Botanischen Gartens lagern rund 25.000 Fossilien, darunter versteinerte Hölzer, Pflanzenreste sowie fossile Pflanzenabdrücke. In diesem Jahr feiert die Paläobotanische Sammlung Rossmann ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Festakt inklusive Führung für alle Interessierten.

Die Sammlung geht auf den Botaniker Prof. Dr. Günther Rossmann zurück, den Gründer und langjährigen Direktor des Ökologisch-Botanischen Gartens der Uni Bayreuth. Bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau der Gebäude auf dem Campus stieß Rossmann immer wieder auf Pflanzenfossilien im Untergrund. Aus der anfänglichen Neugier entwickelte sich eine jahrzehntelange Leidenschaft. Über viele Jahre trug Rossmann Fossilien aus Oberfranken und angrenzenden Regionen zusammen und legte damit den Grundstein für eine der bedeutendsten Kieselholz-Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Besonders bemerkenswert ist zudem ihr Schwerpunkt auf Pflanzenfossilien aus der Obertrias und dem Jura, einem Forschungsfeld, das derzeit an nur wenigen Standorten intensiv bearbeitet wird.
Mit erheblichem persönlichem Engagement gründete Rossmann vor seinem Ruhestand die Stiftung „Paläobotanische Sammlung Rossmann Bayreuth“. Ihr ausdrücklicher Zweck ist es, die wissenschaftliche Betreuung der Sammlung zu sichern, Forschung und Lehre an der Universität Bayreuth zu fördern und die Fossilien dauerhaft am Standort Bayreuth zu erhalten. Die Stiftung verfolgt dabei ein breites Ziel: Die Sammlung soll nicht nur Forschenden zur Verfügung stehen, sondern gleichermaßen die universitäre Lehre bereichern und für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Seit 2025 ist die Sammlung dem Lehrstuhl für Biogeografie unter Leitung von Prof. Dr. Manuel Steinbauer zugeordnet. Steinbauer hat gleichzeitig den Vorsitz des Stiftungsrats inne und ist damit nach Prof. Dr. Ludwig Zöller der dritte Leiter der Sammlung.
Betreut und kuratiert wird die Sammlung heute von Dr. Klaus-Martin Moldenhauer. Er studierte Geowissenschaften an der Universität Frankfurt und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geomorphologie der Uni Bayreuth. „Die spannendsten Fragen, die fossile Pflanzen beantworten helfen, drehen sich um das Aussehen vergangener Welten. Pflanzenfossilien ermöglichen andere Einblicke in Zusammenhänge des Ökosystems als Tierfossilien, da Pflanzen nicht beweglich sind und sich somit an die lokalen Gegebenheiten anpassen müssen. Gerade für Fragen zu vergangenen Umweltbedingungen wie das Klima sind Pflanzenfossilien somit viel wertvoller für die Forschung als beispielsweise Dinosaurier“, sagt Moldenhauer.

In einem kürzlich erschienenen Paper ist genau das gelungen: Das internationale Forschungsteam hat auf Basis von Stücken aus der Paläobotanischen Sammlung Rossmann erstmals das Klima rekonstruiert, das vor rund 200 Millionen Jahren in Oberfranken geherrscht haben muss. „Es handelte sich um ein subtropisches, saisonales Regenzeitenklima, in dem es trotz monatelanger Trockenphasen ausreichend Niederschlag gab, damit geschlossene Wälder mit über 45 m hohen Bäumen existieren konnten“, so Moldenhauer.

Der „Grüne Stamm“ der Paläobotanischen Sammlung Rossmann wurde von Prof. Rossmann bei Altenplos gefunden und geborgen. Er ist das größte Objekt der Sammlung und für die aktuell erschiene Publikation erstmals wissenschaftlich bearbeitet.
Die neuen Ergebnisse zeigen, dass die bisherigen Vorstellungen zu den Umweltbedingungen von vor 200 Millionen Jahren in einigen Teilen deutlich korrigiert werden müssen. Die Paläobotanische Sammlung Rossmann ist damit weit mehr als eine Sammlung außergewöhnlicher Fossilien, sondern ein einzigartiges Archiv vergangener Ökosysteme und Klimabedingungen.
Festakt zum 30-jährigen Jubiläum der Paläobotanischen Sammlung Rossmann
Am Montag, 19. Oktober 2026, lädt die Paläobotanische Sammlung Rossmann ab 18 Uhr anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens alle Interessierten herzlich ein, das Jubiläum gemeinsam zu begehen und die Sammlung näher kennenzulernen. Gäste haben die Gelegenheit, mehr über die Geschichte der Sammlung zu erfahren und in die faszinierende Welt der fossilen Pflanzen einzutauchen.
Die Jubiläumsveranstaltung beginnt mit Grußworten des Oberbürgermeisters und des Präsidenten der Universität Bayreuth. Danach referiert Prof. Dr. Wolfgang Kießling (FAU, Erlangen) über das Thema „Erdgeschichte als Zukunftslabor: Was fossile Archive über Klimarisiken verraten“. Anschließend gibt Dr. Klaus-Martin Moldenhauer, Leiter der Paläobotanischen Sammlung Rossmann, Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse aus der Paläobotanischen Sammlung.
Weitere Informationen: https://www.pbs.uni-bayreuth.de/de/index.html

Theresa Hübner
Universität Bayreuth
Tel.: +49 (0) 921 / 55 - 5357
Mail: theresa.huebner@uni-bayreuth.de
