Internationale Fachkonferenz diskutiert Zukunftsfragen der Gesundheitsversorgung
Wie können knappe Ressourcen im Gesundheitswesen gerecht verteilt werden? Welche Rolle spielen Innovationen und digitale Technologien bei der Bewältigung globaler Herausforderungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die 15. Tagung der International Society of Priorities in Health (ISPH), die unter dem Titel Health Priorities in a World of Change erstmals in Deutschland stattfand. Die Universität Bayreuth war vom 7. Bis zum 9.10. Gastgeber dieser Konferenz.

Zur Eröffnung der Konferenz betonte Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel die Aktualität des Tagungstitels. Gesundheitsversorgung sei lange Zeit als selbstverständlich gesichert angesehen worden. Heute stehe sie jedoch vielerorts unter Druck, etwa durch finanzielle Kürzungen und strukturelle Belastungen. Die damit verbundenen Herausforderungen machten nicht an Landesgrenzen halt. Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, brauche es daher internationale Zusammenarbeit und den Austausch über nationale Perspektiven hinweg.
Auch der Präsident der International Society of Priorities in Health (ISPH), Dr. Joseph Millum (University of St. Andrews, UK), stellte die weltweite Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen in den Mittelpunkt seiner Begrüßung. Fehlende Krankenhausbetten, Personalmangel in Pflege und Medizin sowie begrenzte finanzielle Mittel beträfen Gesundheitssysteme weltweit und alle Gesellschaftsschichten. Die zentrale Frage sei daher, wie vorhandene Ressourcen fair und wirksam eingesetzt werden können. Für solche Entscheidungen brauche es die Expertise unterschiedlicher Disziplinen, von Medizin und Gesundheitsökonomie überRecht bis hin zur Ethik. Die Förderung dieses interdisziplinären Dialogs sei ein zentrales Anliegen der ISPH.
Prof. Dr. Matthias Baum, Prodekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth, verwies darauf, dass sich die Diskussion nicht allein auf die Verteilung bestehender Ressourcen beschränken dürfe. Ebenso wichtig sei es, Innovationen voranzutreiben und neue Lösungsansätze zu entwickeln, um die Gesundheitsversorgung langfristig zu verbessern.



Auch Prof. Dr. Stefan Ouma begrüßte als Leiter des Institute of African Studies (IAS) die Expertinnen und Experten aus aller Welt im Forschungszentrum für Afrikastudien (FZA) der Universität Bayreuth, wo die Eröffnung der Konferenz stattfand. Er hob hervor, dass Afrikaforschung zunehmend mit weiteren Forschungsfeldern verknüpft werden müsse. Zugleich machte er deutlich, dass Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen häufig das Ergebnis politischer Entscheidungen sei. Mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen gab er zudem zu bedenken, dass evidenzbasierte Wissenschaft weltweit unter Druck geraten könne und Forschende teilweise erheblichen Anfeindungen ausgesetzt seien.
Im Anschluss eröffnete Prof. Dr. Aldo Faisal, Lehrstuhlinhaber für Digital Health & Data Science der Universität Bayreuth, mit seiner Keynote zu Holistic AI den wissenschaftlichen Teil der Tagung. Dabei zeigte er, wie KI unterschiedliche Gesundheitsdaten zu einem ganzheitlichen Bild der Patientengesundheit im Zeitverlauf verbindet und neue Möglichkeiten für die Versorgung eröffnet. Zugleich beleuchtete er die Herausforderungen, die vielseitig einsetzbare KI-Modelle für Evidenzgewinnung, Regulierung, gesundheitsökonomische Bewertung und Vergütung mit sich bringen.
Neben weiteren Keynotes von Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel (Leiter des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth und Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem) und Prof. Dr. Gustav Tinghög (Linköping University, Schweden) sowie zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen in Parallel und Organized Sessions bot die Konferenz insbesondere Gelegenheiten zum fachlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden. Ein Conference Dinner im Liebesbier sowie ein Kulturprogramm mit anschließendem Empfang im Iwalewa-Haus rundeten die Veranstaltung ab. Die mannigfaltigen Möglichkeiten der Begegnung ermöglichten einen fruchtvollen und spannenden Dialog über Disziplin- und Landesgrenzen hinweg. “Es wird sehr viel miteinander individuell gesprochen und diskutiert. Auch außerhalb der einzelnen Panels und Workshops“, sagte Prof. Dr. Michael Lauerer, Lehrstuhl für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften und einer der Tagungspräsidenten.
Die Tagung machte deutlich, dass die Herausforderungen moderner Gesundheitssysteme nur gemeinsam zu bewältigen sind. Mit Gästen aus mehr als 10 Ländern und Fachrichtungen bot die ISPH-Konferenz in Bayreuth dafür eine wichtige Plattform und setzte zugleich ein starkes Zeichen für internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit in Zeiten globaler Veränderungen.
Weitere Informationen zur Konferenz und Programm finden Sie hier: https://www.priorities2026.uni-bayreuth.de/en/index.html
Weitere Informationen zur ISPH finden Sie hier: https://www.prioritiesinhealth.org/

Univ.-Prof. Dr. Dr. med. habil. Dr. phil. Dr. theol. h.c. Eckhard Nagel
Geschäftsführer Institut für Medizinmanagment und Gesundheitswissenschaften
Universität Bayreuth
Prieserstraße 2
95444 Bayreuth
Telefon: +49 (0) 921 / 55-4800
E-Mail: eckhard.nagel@uni-bayreuth.de
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