Deutsches Team gewinnt Weltmeisterschaft im Soil Judging
Bei der Soil Judging Weltmeisterschaft in Nanjing, China, hat ein studentisches Team mit Beteiligung der Uni Bayreuth ihr Können in der Bodenkunde bewiesen – und den Weltmeistertitel nach Deutschland geholt. Gecoacht wurde das Team u.a. vom Bayreuther Agrarökologen und Bodenkundler Andreas Wild.

Die Bodenkunde hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreiche spezialisierte Teilbereiche ausdifferenziert. Der klassische, stark feldorientierte Zugang zur Bodenkunde – die Pedologie – verliert an Sichtbarkeit. Dabei geht es hier um eine der grundlegendsten Fähigkeiten der Disziplin: einen Boden im Gelände als dreidimensionalen Naturkörper zu erfassen, seine Entstehung zu verstehen, seine Horizonte zu beschreiben, ihn in größere landschaftliche Zusammenhänge einzuordnen, und schließlich seine Funktionen für Mensch und Natur abzuleiten. Dieses integrative Wissen ist zentral für zahlreiche angrenzende Disziplinen, für die Interpretation von Messdaten und Feldexperimenten, und letztlich für ein umfassendes Verständnis von Ökosystemen.
Um dem klassischen Feldzugang zur Bodenkunde Raum zu geben und gleichzeitig einen Generationenwechsel zu erleichtern, haben sich in der internationalen Bodenkundegemeinschaft sogenannte Soil-Judging-Wettbewerbe etabliert. Der größte dieser Wettbewerbe wird alle vier Jahre im Zuge des Weltkongresses der Bodenkunde ausgetragen, wo Teams aus aller Welt gemeinsam wetteifern. Deshalb wird dieses Event auch als Soil Judging Weltmeisterschaft betrachtet.
Die diesjährige Weltmeisterschaft fand in Nanjing, China, statt. Die 72 teilnehmenden Studierenden aus 15 Nationen erhielten zunächst eine intensive Vorbereitung in Form von Workshops und Geländeübungen. Die Exkursionen führten die Teilnehmenden in sehr unterschiedliche Landschaften der Nanjinger Umgebung geprägt von fruchtbaren Fluss- und Windablagerungen. Eindrücklich waren dabei die intensiv genutzten Nassreisböden der Region. Diese Böden bildeten sich durch jahrhundertelange Nassreisbewirtschaftung. Charakteristisch sind stark verdichtete Pflugsohlen, langanhaltende Überflutungen der Felder und die damit verbundenen Redox-Prozesse.



Bodenaggregate verraten viel über die Eigenschaften eines Bodens. Zu Beginn erfolgt ein akribisches Beschreiben der Bodencharakteristika: Bodenhorizonte, -textur (Sand-, Schluff-, Tongehalt), -struktur, -farbe, Carbonatgehalt, uvm. Im Anschluss werden die Puzzleteile zusammengesetzt, der Boden klassifiziert und seine Funktionen bewertet.
Im anschließenden Wettbewerb setzte sich das deutsche Team mit studentischer Beteiligung der Uni Bayreuth gegen starke internationale Konkurrenz durch und gewann die Weltmeisterschaft im Soil Judging in der Teamwertung. In Teams von vier Personen, bestehend aus Bachelor-, Master- oder PhD-Student, gilt es dabei, innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens Bodenprofile im Gelände vollständig zu beschreiben, nach internationalen Standards zu klassifizieren sowie ihre standörtlichen Funktionen zu interpretieren. Zum deutschen Team gehörten Sebastian Kolbinger (Universität Bayreuth, Geoökologie), Alexander Tevzadze (ehemals Technische Universität München, künftig Doktorand an der Universität Bayreuth), Jule Schwormstede (Universität Hohenheim) und Simon Marx (Technische Universität München). Gecoacht wurde das Team von Andreas Wild (Universität Bayreuth, Agrarökologie) sowie Tobias Klöffel (Universität Kopenhagen).
Der Pokal der diesjährigen Weltmeisterschaft wird bis zum nächsten Weltkongress der Bodenkunde im Jahr 2030 in Toronto bei der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft in Göttingen aufbewahrt. Für die Beteiligten und auch für die Universität Bayreuth zeigt der Erfolg in Nanjing, wie wichtig die Verbindung von moderner wissenschaftlicher Ausbildung und auch Feldpraxis für ein vertieftes Verständnis von Böden bleibt.
Das deutsche Team feiert den Weltmeistertitel und stemmt stolz den Siegerpokal in die Höhe. Auf den weiteren Plätzen folgten Russland, die USA, Polen und Korea. Ein herzlicher Dank gilt der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft für ihre Unterstützung.

Andreas Wild
Universität Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-2177
E-Mail: andreas.wild@uni-bayreuth.de
