„Wissenschaft gegen Faschismus“: Engagement, Verantwortung und Debatten an der UBT
Die bundesweite Initiative „Wissenschaft gegen Faschismus“ rückt die Verantwortung von Hochschulen in den Fokus, wissenschaftliche Freiheit aktiv zu schützen. Auch die Universität Bayreuth beteiligte sich Anfang Juni 2026 mit einer Aktionswoche, die mit vielfältigen Veranstaltungen auf die wachsenden Bedrohungen durch extrem rechte Strömungen reagierte. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Austausch, Aufklärung und Engagement für eine demokratische Wissenschaftskultur sind.

Die bundesweite Initiative „Wissenschaft gegen Faschismus“ steht für ein klares Bekenntnis: Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind nicht nur Orte der Wissensproduktion und -vermittlung, sondern auch der demokratischen Verantwortung. Wissenschaftsfreiheit ist ein zentrales Grundprinzip von Demokratien. Auf internationaler Ebene wird sie etwa durch die UNESCO definiert, die betont, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Recht haben, Forschung frei zu wählen, Erkenntnisse zu gewinnen und zu verbreiten sowie ohne politischen oder ideologischen Druck zu arbeiten. In Deutschland ist die Wissenschaftsfreiheit im Grundgesetz verankert: Artikel 5 Absatz 3 GG garantiert, dass „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre frei sind“.
Diese Freiheit umfasst sowohl individuelle Rechte der Forschenden als auch die institutionelle Autonomie der Hochschulen. Gleichzeitig ist sie eingebettet in die verfassungsmäßige Ordnung – sie geht daher mit Verantwortung einher, etwa gegenüber ethischen Standards, der Wahrheitssuche und den Grundrechten anderer. In Zeiten, in denen extrem rechte Positionen an gesellschaftlichem Einfluss gewinnen, wird zunehmend sichtbar, wie stark auch Wissenschaft und Lehre unter Druck geraten können. Angriffe und Diskreditierung von Forschenden und ihre Erkenntnisse sowie Versuche politischer Einflussnahme zeigen, dass Wissenschaftsfreiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern aktiv gelebt und verteidigt werden muss.
Vor diesem Hintergrund fand Anfang Juni 2026 eine bundesweite Aktionswoche statt, die genau diese Verantwortung in den Mittelpunkt stellte. Auch an der Universität Bayreuth beteiligten sich Studierende und Mitarbeitende mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm, das Diskussion, Aufklärung und Vernetzung ermöglichte.
Aktionswoche in Bayreuth: Austausch, Bildung und Positionierung
Die Bayreuther Aktionswoche vom 1. bis 7. Juni 2026 umfasste unterschiedliche Formate, die sich aus wissenschaftlicher, politischer und studentischer Perspektive mit Rechtsextremismus und seinen Auswirkungen auseinandersetzten. Beispielsweise veranstaltete die Medienwissenschaft der Universität Bayreuth eine Sonderausgabe ihrer Games Night am Montag zum Thema „Antifaschistische Spiele“. Bis spät in die Nacht spielten die Besucherinnen und Besucher Videospiele, die sich auf sehr unterschiedliche Weisen mit Faschismus und Formen des Widerstands befassen. Dazu zählten unter anderem Serious Games wie „Tribunal 45: Working on Justice“, „The Darkest Files“ und „Svoboda 1945: Liberation“, die historische Kontexte interaktiv aufbereiten. Ergänzend boten Webanwendungen wie „Parable of the Polygons“ und „Fake it to make it“ Einblicke in Mechanismen der Ausgrenzung und der Verbreitung von Fake News.
Beim Brettspiel „Space Cats Fight Fascism“ oder dem Indie-Game „EXTREME MEATPUNKS FOREVER“ ging es leichtherziger zu und man erprobte spielerisch den Widerstand. Zu den häufiger gespielten Titeln gehörten die Satire „Hitlers Cactus - or only you can stop Trump“, Spiele aus der „Wolfenstein”-Reihe sowie „Phonopolis“, das die Flucht aus einem totalitären System thematisiert. Die Auswahl zeigte unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema, die in ihrer Umsetzung stark variieren. Neben Studierenden der Medienwissenschaft nahmen auch einige externe Gäste teil. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, sich in einem informellen Rahmen mit dem Thema auseinanderzusetzen und ins Gespräch zu kommen.
Am Dienstag organisierte „Studis gegen Rechts“ einen interdisziplinären Vortragsabend zu Faschismus und Rechtsruck. Nach einem Vortrag über das Todesurteil gegen Leo Hartmann durch das Sondergericht Bayreuth 1943, folgte ein Vortrag zum Thema "Conspiracy Theories & Fascism". Abschließend berichtete ein Student von seinem Asylprozess und seiner glücklicherweise verhinderten Abschiebung. Zwischen den Vorträgen gab es Raum für Fragen und Diskussionen.
Am Mittwoch fand bereits mittags die Veranstaltung „Facing the Far Right: Reaktionäre Bewegungen und die Universität“ statt, die gezielt den Hochschulkontext in den Blick nahm. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern (https://www.lks-bayern.de/beratung-bildung/mobile-beratung), die mit Kommunen, Bildungseinrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen zusammenarbeitet, die sich mit Rechtsextremismus, Rassismus oder Antisemitismus konfrontiert sehen. Ziel ist es, konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, Wissen zu vermitteln und langfristige Strategien zur Stärkung demokratischer Strukturen zu entwickeln. Organisatorisch ist die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern in ein bundesweites Netzwerk eingebunden. Die Finanzierung erfolgt in der Regel durch öffentliche Mittel, insbesondere durch Programme auf Bundes- und Landesebene zur Demokratieförderung. Die Arbeit ist dabei unabhängig, vertraulich und bedarfsorientiert angelegt.
Für den Abend hatte der Lehrstuhl Digitale und Audiovisuelle Medien einen Filmabend „Antifaschismus“ organisiert: Von einem Stummfilm, der eindrücklich zeigte, wie die Festspiele in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs im Rahmen nationalsozialistischer Propaganda stattfanden, über Musikvideos wie u.a. "Sommermärchen" von Apsilon über den NSU Mord in Dortmund 2006, "K4L" von Ebow und "Alexa Alexa Antifascista" von KAFVKA & Antifuchs wurden dabei vielfältige Blickwinkel eröffnet.
Ein entscheidender Motor der Aktionswoche in Bayreuth war das Engagement der Mitarbeitenden und der Studierenden. Die studentische Initiative „Studis gegen Rechts“ plant regelmäßige Veranstaltungen, informiert über rechtsextreme Strukturen und setzt sich für eine offene, solidarische Hochschulkultur ein.
Die Aktionswoche in Bayreuth hat gezeigt, dass die Initiative „Wissenschaft gegen Faschismus“ mehr ist als ein symbolisches Statement. Sie ist Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins dafür, dass Wissenschaftsfreiheit verteidigt werden muss. Wo die Demokratie unter Druck gerät, ist auch die Freiheit von Forschung und Lehre gefährdet. Gleichzeitig bietet die Wissenschaft wichtige Ressourcen, um extrem rechten Narrativen faktenbasiert zu begegnen. Die Veranstaltungen haben eindrücklich vor Augen geführt, wie wichtig Vernetzung, Information und Engagement sind. Sie haben Räume geschaffen, in denen Wissen geteilt und Handlungsmöglichkeiten diskutiert werden konnten – genau das, was eine lebendige und verantwortungsbewusste Wissenschaft und eine offene Gesellschaft ausmacht.

Dr. Elena Köstner
Servicesstelle Chancengleichheit
Telefon: +49 (0)921 / 55-2192
E-Mail: elena.koestner@uni-bayreuth.de
www.frauenbeauftragte.uni-bayreuth.de

Jennifer Opel
Tel: +49 (0)921-55 5893
E-Mail: jennifer.opel@uni-bayreuth.de
