Sichtbarkeit für die Lateinamerikaforschung in Bayreuth
Das „Colloquium on Latin America“ bringt seit 2023 Forschende zusammen, die sich in Bayreuth mit Lateinamerika beschäftigen. Organisiert wird es von María Papenfuss, die im Fachbereich Religionswissenschaft tätig ist und Luis Bastidas,Lehrstuhl für Kultur- und Religionssoziologie,der 2019 aus Kolumbien für seine Promotion nach Bayreuth kam. Das Format wächst – und plant bereits das nächste Treffen.
Wenn man an Forschungsschwerpunkte der Universität Bayreuth denkt, kommt vielen zuerst Afrika in den Sinn. In diesem Bereich existiert ein dichtes Netzwerk, regelmäßige Austauschformate und nicht zuletzte durch das Cluster of Excellence eine hohe institutionelle Sichtbarkeit. Für Forschende mit Lateinamerika-Fokus sah die Lage dagegen lange anders aus. „In Bayreuth haben viele Forschende einen Fokus auf Afrika. Dort findet schon viel Vernetzung statt. Diejenigen, die zu Lateinamerika forschen, sind hingegen noch nicht gut sichtbar und weniger vernetzt“, sagt Luis Bastidas.
Der Kulturwissenschaftler stellte bei seiner eigenen Ankunft 2019 schnell fest, dass es zwar mehrere Personen an der Universität gibt, die zu Themen aus Lateinamerika arbeiten – doch sie erfahren meist wenig voneinander.
Einfach loslegen – ganz im lateinamerikanischen Stil
Um das zu ändern, initiierten Luis und María 2023 das erste „Colloquium on Latin America“. Die Auftaktveranstaltung fand hybrid statt, rund 15 Interessierte machten mit. Seitdem ist die Zahl kontinuierlich gestiegen. Inzwischen kommen regelmäßig Forschende – hauptsächlich aus den Kulturwissenschaften, aber auch aus angrenzenden Disziplinen – zu den digitalen Treffen.
Ein langes Konzept musste dafür nicht erstellt werden. Im Gegenteil: „So läuft das in Lateinamerika. Man probiert es aus und schaut dann weiter“, sagt Luis und lacht. Genau dieser offene, niedrigschwellige Ansatz macht das Colloquium zugänglich. Auf der Webseite gibt es einen Aufruf zur Einreichung von Beiträgen. 45 Forschende haben dies bereits genutzt.
Inhaltlich ist das Format bewusst breit angelegt. Diskutiert werden Forschungsstände, Master- oder Promotionsprojekte, methodische Fragen oder aktuelle Entwicklungen in den jeweiligen Ländern. Ein weiteres Ziel: Aufmerksamkeit schaffen. „Wir wollen zeigen, dass es uns gibt“, betont Bastidas.
Immer mehr Vernetzung – und ein nächster Termin steht bereits fest
Die letzte Sitzung des Zyklus findet in Präsenz im Iwalewahaus statt und beinhaltet eine Filmvorführung und eine Diskussion darüber. Die Gruppe inzwischen stabil gewachsen und der persönliche Austausch ist stärker in den Mittelpunkt gerückt. Die Stimmung bei den Treffen beschreibt Luis als „offen, neugierig und motiviert“ – viele Teilnehmende seien froh darüber, endlich eine Plattform zu haben, in der ihre Region im Fokus steht.
Aktuell wird bereits die nächste Präsentationsrundevorbereitet. Es ist eine „Lecture Series“ und seit dem letzten Semester auch als Bachelor- und Masterseminar belegbar.
Besonders willkommen sind auch immer neue Gesichter: Studierende, Promovierende und Forschende, die sich bisher noch nicht vernetzt haben oder einfach neugierig sind, was in Bayreuth zu Lateinamerika passiert.
Termine im Sommersemester
- Mittwoch, 22. April. Dr. Felipe Correa Mautz. CEPAL, Chile – Online „Indigene Philosophie im Kontext der lateinamerikanischen akademischen Philosophie“
- Mittwoch, 6. Mai. Gabrielle Cardoso Meneses, MA. Nationalmuseum von Rio de Janeiro, Brasilien – Online: „Die Auswirkungen des Klimawandels auf die rituellen Praktiken der Rikbaktsa (brasilianischer Amazonas)“
- Mittwoch, 13. Mai. Dr. Des. Pilar Peralta. Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland – Vor Ort: Ort wird noch bekannt gegeben: „Verteidigung von Lebensgrundlagen und Umwelt: Territoriale Fürsorge und Alltag von weiblichen Führungskräften in Kolumbien“ in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Kultur- und Religionssoziologie (Soziologie-Kolloquium)
- Mittwoch, 20. Mai. Prof. Dr. Ignacio Sarmiento. California State University, Northridge, USA – Online „Specters of War: The Battle of Mourning in Postconflict Central America“
- Dienstag, 2. Juni. Prof. Dr. Ellen Moodie. University of Illinois Urbana-Champaign, USA – Vor Ort: FZA, S145/146 „Indignant Liberalism: Political Protest and Generational Change in El Salvador“ – gemeinsam veranstaltet mit dem Institut für Sozial- und Kulturanthropologie (Anthropology Lecture Series)
- Mittwoch, 17. Juni. Dra. Carolina Pecker Madeo. Universidad de Buenos Aires – Conicet, Argentinien – Online „Staatliche Gewalt in Mexiko: Eine situative Analyse anhand der sozialen Erfahrungen in Chiapas (1970–1980)“
- Mittwoch, 1. Juli. Prof. Dr. María Eugenia Ulfe. Pontificia Universidad Católica del Perú – Online „Rückfall der Erinnerung in einer Welt in der Krise: Der Fall Peru“
- Mittwoch, 15. Juli. Film. Titel wird noch bekannt gegeben. Vor Ort: Iwalewahaus
Weitere Informationen:

Jennifer Opel
Tel: +49 (0)921-55 5893
E-Mail: jennifer.opel@uni-bayreuth.de
