Spektakuläre Premiere im ÖBG
Eine fast 40 Jahre alte Chilenische Puya blüht nun erstmals. Sie wird danach absterben. Aktuell wächst sie durch das Gewächshausdach.

M.Rettner
Im Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) der Universität Bayreuth ist derzeit eine botanische Besonderheit zu bestaunen: Erstmals blüht dort eine Chilenische Puya (Puya chilensis). Die aus den trockenen Bergregionen Zentralchiles stammende Bromelien- und Ananasverwandte braucht mehrere Jahrzehnte, bis sie zur Blüte gelangt. Die Bayreuther Pflanze ist nahezu 40 Jahre alt und entwickelt aktuell einen beeindruckenden Blütenstand von zweieinhalb Metern Höhe.
Die Blüte ist nicht nur für Besucherinnen und Besucher im ÖBG ein außergewöhnliches Ereignis. Auch in anderen Botanischen Gärten dürfte die eine blühende Puya chilensis eine Besonderheit sein. Nach einer aktuellen Abfrage der internationalen Datenbank Botanic Gardens Conservation International (BGCI) wird die Art in Deutschland lediglich in wenigen Botanischen Gärten kultiviert.
Zu groß für das Gewächshaus
Die Pflanze wächst im Tropischen Hochgebirgshaus des ÖBG, einem in Deutschland einzigartigen Gewächshaus. Dort werden Pflanzen aus den tropischen Hochgebirgen kultiviert, die viel Licht brauchen und großen Tages-Nacht-Schwankungen der Temperatur ausgesetzt sind – am Naturstandort mit Frost in jeder Nacht. Dieses Klima wird in unserem einzigartigen Gewächshaus simuliert.
Dass sich die Chilenische Puya hier so wohlfühlt und nun erstmals zur Blüte kommt, stellte das Gartenteam jedoch vor eine Herausforderung: Der Blütenstand ist mittlerweile höher als das Gewächshaus hoch ist. Damit er sich ungehindert entwickeln konnte, wurde eigens eine kreisrunde Öffnung in die Glaseindeckung des Hauses geschnitten. Inzwischen ragt die Blütenrispe durch diese Öffnung hindurch.
Stachelige Schönheit aus Chile
Puya chilensis wächst in ihrer Heimat in trockenen Bergregionen Zentralchiles. Ihre harten graugrünen Blätter tragen entlang der Ränder kräftige, nach hinten gebogene Stacheln. Diese dienen dem Schutz vor Fraßfeinden, können jedoch auch Weidetiere wie Schafe gefährlich verletzen.
Besonders dekorativ sind die zahlreichen gelbgrünen Blüten mit ihren leuchtend orangeroten Staubblättern. Sie produzieren reichlich Nektar und werden in Chile von Vögeln und Insekten besucht insbesondere von der Chilenischer Spottdrossel (Mimus thenca). Im ÖBG übernehmen die Gärtnerinnen die Bestäubung der Blüten von Hand, damit die Pflanze hoffentlich Früchte und Samen bildet, damit neue Pflanzen daraus kultiviert werden können.
Ein einmaliges Schauspiel
Die Chilenische Puya gehört zu den sogenannten hapaxanthen Arten: Nach der Fruchtbildung stirbt die blühende Rosette ab. Zuvor bildet sie jedoch meist Tochterrosetten, die den Fortbestand der Pflanze sichern. Die aktuelle Blüte ist daher ein einmaliges Schauspiel, das sich an dieser Pflanze nicht wiederholen wird.
Wer dieses Blühereignis erleben möchte, sollte den Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth in den kommenden Wochen besuchen. Da dies die erste Blüte dieser Art im ÖBG ist, wissen wir nicht, wie lange sie blüht und wie hoch der Blütenstand noch wird.
Längere Öffnungszeit und Führung im ÖBG
Aus diesem Anlass öffnet der ÖBG der Universität Bayreuth die Gewächshäuser am Mittwoch, 9. September 2026, bis 18 Uhr. Mitarbeitende des ÖBG werden von 16-18 Uhr am Gewächshaus Informationen zur Chilenischen Puya und zu weiteren interessanten Pflanzen in dem Tropischen Hochgebirgshaus geben. Die Teilnahme ist kostenlos.
Allgemeine Öffnungszeiten des Ökologisch-Botanischen Gartens (März bis Oktober):
Werktags Freigelände 08-19 Uhr Gewächshäuser 10-15 Uhr.
Sonn- & Feiertage Freigelände 10-19 Uhr Gewächshäuser 10-16 Uhr.
Samstags Freigelände 10-19 Uhr Gewächshäuser geschlossen
Dr. Marianne Lauerer
Universität Bayreuth
Tel: +49 (0)921 / 55-2972
E-mail: marianne.lauerer@uni-bayreuth.de
