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Die Sonntagsführung „Zeugen des Wandels: Bedrohte Pflanzen der Tropen“ im Tropenwaldhaus des ÖBGs fand großen Anklang.

Klimawandel, Landnutzungsänderung und invasive Arten, also Pflanzen und Tiere, die nicht heimisch sind – all das bedroht die Biodiversität in den Tropen. Schwindende Bergwälder, fehlende Bestäuber und dadurch fehlender Pflanzennachwuchs sind nur einige der gravierenden Konsequenzen. Bedrohte oder in der Natur bereits ausgestorbene Pflanzenarten finden in Gärten wie dem ÖBG eine sichere Heimat. Dabei fungiert der ÖBG nicht nur als Ausstellung, sondern als eine Art „Arche Noah“ für bedrohte Pflanzenarten.

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigte der Stopp im Nebelwaldhaus des ÖBGs. Am Beispiel der Lorbeerwälder der Kanarischen Inseln (Laurisilva) wurde deutlich, wie bedroht die Artenvielfalt weltweit ist: Von den einst mächtigen tropischen Bergwäldern der Kanaren, Azoren und auf Madeira ist heute kaum etwas übrig. Schutzgebiete auf Gran Canaria sind nur noch winzige Überreste einer vergangenen Pracht. In Bayreuth wird diese Pracht lebendig gehalten.

Artenschutz bedeutet jedoch oft auch Handarbeit: In der Natur bedroht die eingeschleppte Vogelart Rotohrbülbül die Bestäubung der Mauritius-Glockenblume (Nesocodon mauritianus), da der Vogel den Nektar raubt, ohne dabei die Blüte zu bestäuben. Die Folge: reduzierter Pflanzennachwuchs in der Natur. In Bayreuth sichern Gärtnerinnen und Gärtner den Fortbestand der Mauritius-Glockenblume: Die fünf Bayreuther Pflanzen der Mauritius-Glockenblume sind Teil eines weltweiten Netzwerks und werden von den Gärtnerinnen und Gärtnern von Hand bestäubt.

Die Goldfuchsie ist in der Natur ausgestorben, sie überlebt nur in botanischen Gärten – auch im ÖBG.

Auch die Goldfuchsie (Deppea splendens) ist ein Beweis für die Bedeutung der Erhaltungskultur in botanischen Gärten: In ihrer Heimat Mexiko ist die Goldfuchsie bereits seit 1986 ausgestorben. Dass sie heute noch existiert und blüht, ist allein botanischen Gärten zu verdanken. Bayreuth ist damit im Verbund mit anderen Gärten weltweit Hüter einer Art, die ohne die menschliche Obhut Geschichte wäre.

Allerdings ist nicht nur die Erhaltungskultur der Gärten von höchster Wichtigkeit. Eine weitere Aufgabe des ÖBGs liegt besonders in der Bildung: Die Pflanzen dienen als Botschafter, um die komplexen Zusammenhänge und die Zerbrechlichkeit der Ökosysteme begreifbar zu machen.

Einen faszinierenden Einblick in den exklusiven Bestand des ÖBGs bot auch die Wollemie (Wollemia nobilis), ein „Dinosaurier-Baum“ aus Australien, der als ausgestorben galt und 1994 wiederentdeckt wurde. Das Exemplar, das 2006 nach Bayreuth kam, war so wertvoll, dass es zunächst buchstäblich hinter Gittern gesichert wurde, um es vor Diebstahl zu schützen.

Die Wollemie wurde nach ihrer Ankunft im ÖBG 2006 vor Diebstahl geschützt.

In den Londoner Kew Gardens wurde eine andere Pflanze 2014 Ziel eines Diebstahls: die wenige Zentimeter große Zwerg-Seerose (Nymphaea thermarum) aus Ruanda. Im ÖBG wächst sie sicher verborgen hinter den Kulissen.

Die Banane: ein Klon in Gefahr

Zuletzt sorgte bei der Führung die Banane für einen Aha-Effekt. Durch spontane Kreuzung entstanden einst Bananenpflanzen ohne störende Kerne (Samen), wie sie bei den Wildbananen noch zahlreich im Fruchtfleisch vorhanden waren. Der Preis für unsere geliebte Supermarkt-Banane ist jedoch hoch: Da die Kulturbanane keine Samen mehr bildet, ist sie biologisch in einer Sackgasse und muss vom Menschen vegetativ vermehrt werden. Deshalb sind nahezu alle Bananenpflanzen weltweit ein Klon und gehören zu einer einzigen Sortengruppe, Cavendish genannt. Das macht die Pflanzen extrem anfällig für Krankheiten und aktuell sind die Cavendish-Bananenplantagen weltweit von einem Pilz in ihrer Existenz bedroht. Mit Hochdruck wird daran gearbeitet, resistente Sorten zu selektieren. Hier spielt die genetische Vielfalt von Wildbananen, die auch in Gewächshäusern wie im ÖBG bewahrt werden, eine Rolle. Sie ist vielleicht die Lebensversicherung für unseren künftigen Obstsalat.

Führung war ein voller Erfolg

Die große Resonanz der Führung zeigte: Das Interesse an Natur- und Artenschutz ist groß und wächst immer weiter. Der ÖBG erwies sich an diesem Sonntag einmal mehr als lebendiger Lernort, der globale Zusammenhänge direkt vor der Haustür begreifbar macht und zeigt, wie wichtig der Erhalt der biologischen Vielfalt für uns alle ist.

Dr. Marianne Lauerer

Ökologisch-Botanischer Garten

Universität Bayreuth
Tel: +49 (0)921 / 55-2972
E-mail: marianne.lauerer@uni-bayreuth.de

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