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Wilder Campus: Wie die Universität Bayreuth die Artenvielfalt fördert

Wer bei Artenvielfalt an einer Universität zunächst an den Artenreichtum an Studiengängen und deren Studierenden denkt ist sicherlich nicht alleine. Jedoch sind uns die über 11.000 Pflanzen-, Insekten- und Tierarten auf dem Campus mengenmäßig deutlich überlegen. Der Campus ist somit längst nicht mehr nur Lern- und Arbeitsort, sondern auch ein aktiv gestalteter Lebensraum für die Biodiversität. 

Dass das kein Zufall ist, sondern strategisch gewollt, zeigt die Nachhaltigkeitsstrategie aus 2021, mit der sich die Universität Bayreuth dazu verpflichtet hat, „ein Monitoring der biologischen Vielfalt zu etablieren und sie weiter zu fördern, insbesondere durch die Optimierung des Anteils naturnaher und renaturierter Flächen auf dem gesamten Campus". Was zunächst abstrakt klingt, zeigt sich inzwischen an vielen konkreten Stellen: 33 ausgewiesene Biodiversitätsflächen mit einer Gesamtfläche von über 52.000 Quadratmetern prägen mittlerweile das Bild des Campus. Die ersten davon wurden bereits 2016 ausgewiesen, seither ist ihre Zahl kontinuierlich gewachsen.

Wildblumenwiese im ÖBG

Zentral für den Erfolg dieser Flächen ist, wie sie gepflegt werden. Gemeinsam mit dem Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) hat die Zentrale Technik ein sogenanntes „insektenfreundliches Mahdregime“ entwickelt: Rund 20 Prozent der Flächen werden im Sommer gemäht, sodass eine zweite Blüte entstehen kann, während die restlichen 80 Prozent im Herbst gemäht werden, um die Böden nährstoffarm und damit artenreicher zu halten. Seit 2023 beteiligt sich die Universität zusätzlich am bundesweiten „Mähfreien Mai": alle Grünflächen bleiben dann ungemäht, damit Frühblüher aussamen können und Insekten in einer besonders wichtigen Phase des Jahres ausreichend Nahrung finden.

Wie kreativ Biodiversitätsförderung sein kann, zeigt die Geschichte zweier neuer Sandarien am Campus. Nach dem Summerfeeling am Unistrand 2024 standen rund 700 Tonnen Sand zur Verfügung. Anstatt entsorgt zu werden, wurden sie vom ÖBG übernommen und zwischengelagert. Im Frühjahr 2025 entstanden daraus gemeinsam mit den studentischen Initiativen Scientists for Future und der Hochschulgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, zwei neue Sandflächen: eine vor dem Geo II-Gebäude, eine im ÖBG selbst. Mehr als 20 Freiwillige pflanzten dort über 150 trockenheitsliebende Wildpflanzen. Für bodennistende Wildbienen, Grabwespen und Sandlaufkäfer sind solche offenen, sandigen Flächen ein seltener Zufluchtsort, denn in der intensiv genutzten Kulturlandschaft ringsum sind sie längst Mangelware geworden. Als „ökologische Trittsteine" stehen die Campus-Sandarien zudem im Austausch mit weiteren Naturflächen im sogenannten „Grünen Süden Bayreuths“.

Anlegung eines Sandariums

Eine besondere Rolle in diesem Ökosystem spielt der Ökologisch-Botanische Garten selbst. Auf seinen 16 Hektar wachsen über 9.000 Pflanzenarten aus aller Welt, während sich parallel über 2.000 heimische Arten von selbst angesiedelt haben. Das kleinräumige Mosaik aus Dünen, Trockenrasen, Wäldern, Gewässern und Mooren macht den ÖBG zu einem der artenreichsten Standorte Mitteleuropas. Allein 230 Wildbienenarten und 170 Wanzenarten wurden hier bereits nachgewiesen. Der Garten ist zugleich ein wichtiger Bildungsort – über 300 Führungen und Projekte erreichen jährlich mehr als 10.000 Besuchende, und seit 2021 trägt das Bildungsprogramm das Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern". Für Studierende und Mitarbeitende bietet der ÖBG zudem ganz praktisch einen kostenlosen Rückzugsort mitten im Uni-Alltag.

Auch der Schutz einzelner Artengruppen wird gezielt vorangetrieben. In Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz und Studierenden fand von April bis Dezember 2024 ein Monitoring zum Vogelschlag an Gebäuden statt. Die dabei identifizierten Risikostellen an Fassaden werden nun sukzessive entschärft, und bei künftigen Neubauten soll Vogelschutz von vornherein mitgedacht werden.

All diese Maßnahmen, von der Mahd über die Sandarien bis zum ÖBG, folgen demselben Grundprinzip: möglichst vielfältige Strukturen schaffen, damit möglichst viele Arten einen für sie passenden Lebensraum finden. Für die Universität Bayreuth ist das ein zentraler Baustein ihrer nachhaltigen Campusentwicklung: Biodiversität wird hier nicht als Nebensache behandelt, sondern als Teil dessen, was einen zukunftsfähigen Campus ausmacht – lebendig, vielfältig und offen für alle, ob Mensch, Tier oder Pflanze.

Jennifer Opel

Jennifer Opel

Stellvertretende Pressesprecherin, Leitung Campusmagazin UBTaktuell

Tel: +49 (0)921-55 5893
E-Mail: jennifer.opel@uni-bayreuth.de

Webmaster: Team UBTaktuell