Die 3. Bayreuther Pilztage rücken Kleinstpilze ins Mikroskop-Licht
Am 10. und 11. Oktober 2026 wurde der Ökologisch-Botanische Garten (ÖBG) der Universität Bayreuth erneut zum Treffpunkt für über 1.200 Pilzbegeisterte. Bei ihrer dritten Auflage rückten die Bayreuther Pilztage (BayPilz) jene faszinierenden Pilze in den Mittelpunkt, die oft im Verborgenen leben und dennoch für unsere Ökosysteme unverzichtbar sind. Mit ihrem abwechslungsreichen Programm bot die BayPilz wieder eine wertvolle Gelegenheit für Umweltbildung und Naturschutzthemen sowie um Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander zu vernetzen.

Die BayPilz setzt jedes Jahr einen neuen thematischen Schwerpunkt. In diesem Jahr standen die unscheinbaren Pilze im Mittelpunkt. Wie faszinierend und facettenreich ihre Lebensweisen und Beziehungen zu anderen Organismen sind, veranschaulichten vier Masterstudierende der Universität Bayreuth: Moriz Wolf, Nelly Ramser und Sascha Neuhaus vom Lehrstuhl für Ökologie der Pilze sowie Rika Stute vom Lehrstuhl für Ökologische Mikrobiologie, die diese Ausstellungsstation mit viel Liebe zum Detail gestalteten.
Bei den unscheinbaren Pilzen ging es auf Entdeckungsreise in eine Welt, die dem bloßen Auge meist verborgen bleibt. Die Besuchenden trafen auf Pilze, die auf Feldern und in Gärten Ernten bedrohen – wie Mutterkorn, Maisbeulenbrand, Birnengitterrost und den Erreger des Apfelschorfs –, sowie auf winzige Pilz-Untermieter von Nadelbäumen. Auch viele Flechten waren zu bestaunen: Partnerschaften zwischen Pilzen und Algen oder Bakterien, die in einer erstaunlichen Vielfalt an Formen und Farben auftreten. Außerdem konnten Besuchende Mykorrhizapilze bewundern, die, mit Wurzeln im Boden verbunden, das Pflanzenwachstum verbessern.
Besuchende konnten sich auch über kleine Wiesenpilze informieren, die aus naturschutzfachlicher Sicht besonders bedeutsam sind. Der Lehrstuhl für Ökologie der Pilze präsentierte hier ein Kooperationsprojekt mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) und der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft e.V. (BMG).
Wie auch in den beiden vergangenen Jahren bot eine Frischpilzausstellung einen eindrucksvollen Überblick über die heimische Pilzvielfalt. Mehr als 150 Pilzarten konnten aus nächster Nähe betrachtet und verglichen werden. Bei ausgewählten Arten wurden besondere Merkmale, z.B. ernährungsphyiologisch relevante Inhaltsstoffe, und ökologische Funktionen, z.B. als Holzzersetzer oder als wichtiger Mykorrhizapartner, hervorgehoben. Zugleich erhielten die Besuchenden praktische Einblicke in die Pilzbestimmung. Anhand wichtiger Bestimmungsmerkmale wie der Sporenpulverfarbe, des Geruchs oder der Ausbildung von Hüllen wurde vermittelt, worauf es bei der sicheren Bestimmung von Pilzen ankommt.



Mitmachangebote luden dazu ein, die Pilze auf ganz unterschiedliche Weise zu erkunden. Besonders beliebt waren, wie bereits in den beiden Vorjahren, die geführten Pilzwanderungen durch den Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) mit Wolfgang Fischer. Kinder konnten sich mit Malou Czibeck spielerisch mit Pilzen beschäftigen und beispielsweise mit Tintlings-Tinte malen. Wer selbst auf Pilzsuche gewesen war, hatte außerdem die Möglichkeit, eigene Pilzkörbe zur Durchsicht durch den Pilzsachverständigen Stefan Niclas mitzubringen. Und wer selbst aktiv werden wollte, konnte an einem Workshop zur Kultivierung von Speisepilzen teilnehmen. Unter der Anleitung von David Naubert erhielten die Teilnehmenden praktische Einblicke in die Pilzzucht. Das Angebot fand auch in diesem Jahr großen Anklang.

Ein weiterer Programmpunkt führte die Besuchenden unmittelbar in die aktuelle Pilzforschung der Universität Bayreuth. In einem Vortrag über holzbewohnende Pilze in alten Buchenwäldern zeigte der Mykologe Dr. Max Zibold (Lehrstuhl für Ökologie der Pilze), dass aus Sicht der Pilze Holz nicht gleich Holz ist. Ein weiterer Vortrag von Stefan Niclas widmete sich dem Thema Speisepilze und beleuchtete dabei auch Aspekte der Pilzvergiftungsprävention.
Für Bücherfreunde sorgte Roland Kastner, der Teile seiner umfangreichen Pilzbüchersammlung präsentierte. Ergänzt wurde die Sammlung durch eine Lesung mit lokalen Geschichten rund um Pilze, die das naturkundliche Programm um eine kulturelle und erzählerische Perspektive bereicherte. Eine von Alexander Tevzadze gestaltete Technik-Station machte die verborgene Klangwelt der Pilze hörbar und ermöglichte spannende Einblicke in ihre elektrischen Signale.

Die BayPilz verband damit auch in diesem Jahr die Vielfalt der heimischen Pilze mit aktuellen Forschungsthemen und abwechslungsreichen Mitmachangeboten. Pilze sind weit mehr als die sichtbaren Fruchtkörper im Wald. Oft unscheinbar, übernehmen sie vielfältige Aufgaben in Ökosystemen und sind eng mit anderen Organismen verflochten.
Die Bayreuther Pilztage wurden von Andreas Wild (Lehrstuhl für Agrarökologie) in Zusammenarbeit mit dem Team des Ökologisch-Botanischen Gartens (ÖBG) organisiert. Hervorzuheben ist dabei die großartige Zusammenarbeit von mehreren Lehrstühlen der Universität Bayreuth mit Unterstützung zahlreicher Freiwilliger und des Freundeskreises ÖBG e. V., die die erfolgreiche Durchführung der Veranstaltung in der Ausstellungshalle des ÖBG ermöglichte. Der ÖBG erweist sich dabei einmal mehr als idealer Ort für solche gemeinsamen Formate, da er durch seine Infrastruktur, seine fachliche Breite, seine Bekanntheit in Stadt und Region und seine Erfahrung in der Wissenschaftskommunikation hervorragende Voraussetzungen für den Austausch zwischen Universität und Gesellschaft bietet. Finanziell wurde die Veranstaltung dankenswerterweise durch das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER) unterstützt. Allen Beteiligten gilt ein herzlicher Dank.
Andreas Wild
Universität Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-2177
E-Mail: andreas.wild@uni-bayreuth.de
