Bayreuther Alumna leitet das Naturhistorische Museum in Wien
Die Biologin Dr. Kathrin Vohland ist die erste Frau an der Spitze eines der wichtigsten Naturkundemuseen der Welt - und die erste Bayreuther Absolventin auf diesem Posten.
Die Biologin Dr. Kathrin Vohland ist die erste Frau an der Spitze eines der wichtigsten Naturkundemuseen der Welt - und die erste Bayreuther Absolventin auf diesem Posten.
„In der Biologie werden keine Berufe angeboten, aber es ist möglich, die entsprechenden Berufe zu gestalten“, hat eine Professorin Kathrin Vohland einmal mit auf den Weg gegeben. Seit 1. Juni 2020 gestaltet sie als Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin das Naturhistorische Museum in Wien. Im Interview mit ubt aktuell teilt sie ihre Erinnerungen an das Studium in Bayreuth und gibt Tipps für heutige Biologie-Studierende.

Kathrin Vohland, Direktorin des Naturhistorischen Museums Wien
Warum haben Sie Biologie studiert?
Ich fand Biologie wie überhaupt Wissenschaft schon immer sehr spannend und hatte es damals auch als Leistungskurs gewählt. Allerdings hatte ich erst eine Ausbildung als Industrieelektronikerin begonnen, weil das Biologie-Studium mit keinem konkreten Beruf verbunden ist. Zum Glück habe ich mich aber doch getraut, mich zu bewerben und bin dann zum Grundstudium mit der ZVS nach Bielefeld gekommen. Nach Bayreuth habe ich dann zum Hauptstudium gewechselt, weil dort die Bodenkunde und Bodenzoologie so stark waren und mit Geoökologie neue interdisziplinäre spannende Studiengänge aufgebaut wurden.
Was ist Ihre schönste Erinnerung an das Studium in Bayreuth, den Campus der Universität Bayreuth?
Durch die intensiven praktischen Kurse war es leicht, Kommilitonen kennen zu lernen. Ich war dann relativ häufig mit einigen Leuten am Wochenende in der Gegend wandern, das war sehr schön. Über die Kontakte hat sich dann auch schnell die Möglichkeit ergeben, als studentische Hilfskraft an einem Forschungsprojekt zu Agroforstsystemen in der Elfenbeinküste mitzuarbeiten. Da war ich dann ein halbes Jahr lang. Das war eine unglaublich eindrucksvolle Zeit. Wir haben in der Nähe einer Sägerei mit angeschlossenem Hüttendorf gelebt, mitten zwischen Kakao- und Teakholzplantagen. Auf dem bunten kleinen Markt gab konnte man Suppenwürfel in kleinen Haufen kaufen, und die Männer waren auch noch im tiefsten Busch bestens über die Spielergebnisse der Bundesliga informiert.
Was haben Sie in Bayreuth für Ihr Leben gelernt?
Als studentische Hilfskraft habe ich auch in einem Projekt der Frauenbeauftragten mitgearbeitet, zu „Berufswegen promovierter Frauen“. Ich war schockiert zu sehen, dass speziell promovierte Biologinnen, wenn sie Kinder bekamen, komplett weg waren. Daraus habe ich gelernt, wie wichtig der Berufseinstieg ist.
Wie hat das Studium Sie auf Ihre Berufstätigkeit vorbereitet?
Neben den Fachkenntnissen, von denen ich immer noch profitiere, hat mir das Studium auch ein Handwerk vermacht, zu wissenschaftlich sauberen Ergebnissen zu kommen und die Bedeutung der Auswahl von Methoden und Daten zu reflektieren.
Biologie Diplom und nun Generaldirektorin des NHM - das liegt nicht auf der Hand. Würden Sie Ihre Karriere als eine Folge von Zufällen bezeichnen oder haben Sie das strategisch geplant?
Nein, so ein Berufsweg ließ sich nicht strategisch planen, und schon gar nicht als Mutter. Schwangere Frauen werden nicht bevorzugt angestellt, und Biologie galt auch nicht gerade als Karrierefach. Ich fand es schon wahnsinnig erfolgreich, dass ich in meinem ganzen Berufsleben immer nah dran an der Biologie war. Viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen sind in komplett anderen Sektoren gelandet. Und diese Position als Generaldirektorin ist eine Mischung aus Können – ich habe Erfahrung im Museumsmanagement – und Glück, dass die Ausschreibung zur richtigen Zeit kam. Ich bin dann in dieses Window of Opportunity gesprungen.
Gab es Aktivitäten oder Netzwerke – evtl. bereits auf dem Campus in Bayreuth, die Sie hier hin gebracht haben?
Das erst Netzwerk, zu dem ich als Studentin in Bayreuth in Kontakt kam, war die Gesellschaft für Tropenökologie. Die Netzwerke, zu denen auch viel Wiener und Kolleginnen und Kollegen aus Österreich insgesamt gehören, habe ich im Rahmen meines Engagements für Citizen Science, Bürgerforschung, aufgebaut. Dazu gehören der Verein der Europäischen Bürgerwissenschaften ECSA, eine COST Action zu Citizen Science sowie die europäische Capacity Building Platform EU-Citizen.Sciene
Was würden Sie heutigen (Biologie)Studierenden raten? Haben Sie Tipps?
Zum einen, mit Lust und Energie beim Thema zu sein. Zum anderen würde ich gerne einen Rat weitergeben, den eine Professorin uns auf den Weg gegeben hat: In der Biologie werden keine Berufe angeboten, aber es ist möglich, die entsprechenden Berufe zu gestalten. Und angesichts der globalen Herausforderungen werden biologische Kenntnisse gebraucht – zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, zum Verständnis von Ökosystemen und den Interaktionen zwischen Mensch und Natur in der Biosphäre insgesamt.