Die ersten Schritte in Richtung Journalismus machte Christian Limpert an der Universität Bayreuth, wo er Medien-, Theater-, und Informationswissenschaft studierte. Heute leitet er das ARD-Studio in Tel Aviv und berichtet aus einem der politisch heikelsten Gebiete der Welt. Wie es dazu kam, was ihn in Bayreuth geprägt hat und welche Erinnerungen er an seine Uni-Zeit hat, erzählt er im Interview mit UBTaktuell.

Warum fiel Ihre Wahl damals auf Medien-, Theater-, und Informationswissenschaft und warum auf Bayreuth? Welche Rolle spielte die Nähe zur Heimat in Coburg?

Christian Limpert: Zugegeben, es war zunächst eine „Notlösung“ – ich hatte mich bereits an der Deutschen Journalistenschule beworben, war dort aber im sehr strengen Auswahlverfahren gescheitert. Meine Mutter hat mir einen Zeitungsartikel über einen neuen Bachelorstudiengang an der Uni Bayreuth hingelegt: „Theater und Medien“ – die Nähe zu Bayreuth hat es mir dann sehr leicht gemacht: ich bin nach Bayreuth gefahren, habe mir den Campus und die Uni angeschaut und mich sofort wohlgefühlt.

Hat das Studium in Bayreuth Ihnen den Zugang zur DJS erleichtert? Inwiefern?

Das Studium in Bayreuth war für mich der größte Glücksfall. Der neue Bachelorstudiengang „Theater und Medien“ war perfekt: ein komplett neues Team von Wissenschaftlern, und ca. 30 Studierende, die als „Erste“ in diesem Studiengang voller Energie und Innovation waren. Neben vielen Theaterprojekten hatten wir die Chance, ein eigenes Campus TV aufzubauen – eine Fernsehsendung für Studierende, die wir einmal im Monat produziert haben und die im regionalen Sender TV Oberfranken lief – die praktischen Erfahrungen, die ich da gesammelt habe, sind unbezahlbar. Nach meinem Studium habe ich mich dann noch einmal an der DJS beworben – und bin genommen worden.

Gibt es schöne Erinnerungen an Ihre Studienzeit in Bayreuth? Gibt es Erlebnisse auf dem Campus, an die Sie sich gerne zurückerinnern?

Es gibt leider viel zu viele schöne Erinnerungen J Mit Blick auf das Studium: Ich habe den familiären Umgang im Studiengang, den engen Kontakt zu unseren Dozenten und Professoren sehr genossen – Mit dem Medienwissenschaftler Prof. Müller hatten wir einen „Chef“, der uns viel Raum zum Probieren und Testen gegeben hat. Ich erinnere mich natürlich auch an den wunderschönen Campus, die kurzen Wege und natürlich einige überragende Spoeko-Partys oder Feiern in der „Rosi“. Das tolle in Bayreuth war ja, dass du nach dem Feiern am nächsten Tag alle Party-Gesichter wieder am Campus getroffen hast.

Haben Sie noch Kontakt zu Kommiliton*innen? Professor*innen? Welcher Art?

Leider nur sehr vereinzelt und selten. Das ist auch wirklich schade, wir haben damals für das Projekt „Campus TV“ sehr viel Zeit miteinander verbracht, aber mit Abschluss des Bachelors ist es für jede und jeden von uns dann anders weitergegangen – mit einigen schreibe oder telefoniere ich noch, ein richtiges Alumni-Netzwerk gibt es leider noch nicht.

Gibt es konkrete Ideen, Lehren, Erkenntnisse aus Ihrem Studium, die Sie bis heute prägen, beherzigen, erinnern? Welche?

Ja, ich habe gelernt, dass jede gute Idee vor allem ein gutes Konzept braucht – und damit manchmal auch Zeit und Geduld.

Hat Sie Ihr Studium in Bayreuth auf Ihren heutigen Job als Studioleiter in einer Krisenregion vorbereitet? Wie?

Kaum. Der Bachelorstudiengang „Theater und Medien“ war ja nicht ausgelegt auf eine journalistische Ausbildung. Dennoch hat mich besonders das Projekt Campus TV auf die Arbeit im Team vorbereitet – bis heute würde ich mich auch als absoluten Teamplayer bezeichnen, das ist in einem ARD Studio mit einem relativ kleinen Team natürlich extrem wichtig. Für die Arbeit als Studioleiter und den journalistischen Einsatz in einer Krisenregion habe ich dann erst in den letzten Jahren gezielt Schulungen und Trainings absolviert.

Als Journalist sind Sie zunächst regional, dann aber vor allem im Ausland unterwegs gewesen. Wie kam das?

Wie so oft: ein bisschen Glück und Ausdauer. Nach ein paar Jahren bei der „Abendschau“ des BR habe ich mich intern beworben, um in den Auslandsstudios, die der BR für die ARD betreibt, als Vertretung und Aushilfe eingesetzt zu werden. Da habe ich lange gewartet und oft nachgefragt … im März 2012 kam dann der Anruf, ob ich sofort nach Athen fliegen kann. Ich habe „ja“ gesagt. Von da an habe ich dann regelmäßig ausgeholfen.

Was ist das Spannendste an Ihrem derzeitigen Job?

Ich bin seit Januar in Tel Aviv und lerne seitdem jeden Tag Neues. Da ist natürlich der Nahost-Konflikt, je mehr ich mich einarbeite, desto komplizierter erscheint er mir, ich lerne hebräisch und bin schon auch sehr eingebunden mit der Leitung des TV-Studios. Das ist alles spannend, ich habe viel Respekt vor dieser Aufgabe und bin wirklich dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe.

Zur Person: 

Christian Limpert, geboren in Coburg, hat Medien-, Theater-, und Informationswissenschaft an der Universität Bayreuth und anschließend "Praktischer Journalismus" an der Deutschen Journalistenschule (DJS) und der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert. Über 10 Jahre lang war er anschließend als Reporter, Autor und Videojournalist für den Bayerischen Rundfunk in München tätig, vor allem für das regionale TV-Magazin "Die Abendschau". Von 2012 an übernahm er regelmäßig Auslandseinsätze für BR und ARD, unter anderem in Italien, Griechenland, Serbien, Ungarn, sowie in der Türkei und auf Zypern. 2018 baute er ein neues, crossmediales Korrespondentenbüro in seiner Heimatstadt Coburg mit auf. Von 2019 bis 2021 war er Auslandskorrespondent im ARD-Studio Wien/Südosteuropa. Seit 01. Januar 2022 ist Christian Limpert Korrespondent und Leiter des TV Studios Israel/Palästinensische Gebiete.

Anja-Maria Meister

Anja-Maria MeisterPressesprecherin der Universität Bayreuth

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