Das Job-Mentoring-Programm des International Office und der Campus-Akademie der Uni Bayreuth richtet sich an internationale Fachkräfte sowie geflüchtete Akademikerinnen und Akademiker. Sie sollen beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützt werden. Im Zentrum steht dabei die persönliche Begleitung: Mentorinnen und Mentoren teilen ihr Wissen, ihre Netzwerke und ihre Erfahrungen, während Mentees die Möglichkeit erhalten, Einblicke in den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen und ihre Karriereziele zu schärfen. Das Programm schafft damit nicht nur berufliche Perspektiven, sondern auch interkulturelle Begegnungen, die beide Seiten bereichern.

Nicole Kromat ist seit vielen Jahren im Hochbauamt der Stadt Nürnberg tätig. Die 49-jährige Mutter von zwei Kindern hat in einem sechsmonatigen Mentoring-Programm mit dem Fokus „Bauchingenieurwesen und IT“ über die Campus-Akademie den gebürtigen Afghanen Qudratullah Gawhari begleitet. Nach seinem Studium zu Verkehrsingenieurswesen war er zunächst als Bauleiter in Afghanistan tätig, nun lebt er seit drei Jahren in Deutschland. Mit der Teilnahme am Mentoring-Programm eröffnete er sich neue Perspektiven für seine berufliche Zukunft. Im Interview mit UBTaktuell sprechen Nicole Kromat und Qudratullah Gawhari über die Erwartungen ans Programm, persönliche Motivation und eine Zusammenarbeit, die über den fachlichen Austausch hinausging.

UBTaktuell: Wie sind Sie auf das Mentoring-Programm aufmerksam geworden?

Nicole Kromat: Ein Arbeitskollege hat mir von dem Programm erzählt. Er konnte leider nicht selbst teilnehmen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, als Mentorin bei dem Programm mitzumachen. Da ich vor einigen Jahren selbst als Mentee bei einem anderen Programm teilgenommen habe, wollte ich nun gerne selbst jemandem als Mentorin beistehen.

Qudratullah Gawhari: Mir hat ein Freund vom Programm BIGA Regio erzählt, das eine Weiterqualifizierung für geflüchtete und migrierte Akademikerinnen und Akademiker zur Integration in den deutschen Arbeitsmarkt anbietet. Das hat mein Interesse geweckt. Das Mentoring-Programm war ein integrierter Bestandteil davon – und für mich eine wertvolle Gelegenheit, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Ich habe darin eine großartige Chance gesehen, mit jemandem aus meinem Fachbereich in den Austausch zu kommen. Ich wollte mein berufliches Netzwerk erweitern und gleichzeitig meine fachlichen und persönlichen Kompetenzen stärken. Besonders wichtig war mir, Einblicke in die deutsche Arbeitswelt zu gewinnen und mich gezielt auf den Berufseinstieg vorzubereiten.

UBTaktuell: Welche Erwartungen hatten Sie an das Programm und wie hat es sich entwickelt?

Nicole Kromat: Ich bin ganz offen ins Programm gegangen und habe mich überraschen lassen, wohin die Reise geht. Ich wollte auf jedem Fall jemandem Mut machen auf seinem Weg und versuchen, mit meiner Erfahrung weiterhelfen zu können. Dass ich auf einen derart fleißigen, motivierten und positiv eingestellten Mentee treffe, hätte ich nicht gedacht. Am liebsten hätte ich noch mehr Zeit investiert, was aber leider wegen meines beruflichen und privaten Alltags nicht möglich war.

Qudratullah Gawhari: Anfangs dachte ich, das Programm sei vor allem eine Art Fragerunde. Doch mit der Zeit entwickelte sich eine vertrauensvolle Beziehung – fast wie eine Freundschaft. Ich wollte ursprünglich mehr über das deutsche Bauwesen erfahren, meine Bewerbungsunterlagen verbessern und eine passende Stelle finden. Am Ende war das Mentoring viel mehr als erwartet: Es hat mir Hoffnung, Motivation und neue Perspektiven gegeben.

UBTaktuell: Wie sah Ihre Zusammenarbeit konkret aus?

Qudratullah Gawhari: Unser erstes Treffen fand persönlich in Nürnberg statt. Danach standen wir regelmäßig über WhatsApp in Kontakt – ich habe Fragen gestellt und hilfreiche Antworten erhalten. Zusätzlich haben wir uns mehrmals über Zoom getroffen und über verschiedene Themen gesprochen – von Bewerbungen bis zu Bauvorschriften.

UBTaktuell: Gab es besondere Herausforderungen, die Sie gemeinsam gemeistert haben?

Nicole Kromat: Es war manchmal schwierig, Zeit für die Gespräche zu finden. Ein paar Mal mussten wir es spontan verschieben, sind aber trotzdem insgesamt im Zeitplan geblieben. In dieser Zeit haben wir Qudrats Kompetenzportfolio gemeinsam erarbeitet.

Qudratullah Gawhari: Für mich war es eine Herausforderung, die komplexen deutschen Normen und Gesetze zu verstehen, aber Nicole hat mir diese sehr verständlich erklärt.

UBTaktuell: Welche besonderen Momente sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Nicole Kromat: Unser erstes persönliches Treffen als Auftakt des Programms. Das hat sehr geholfen bei den anschließenden Online-Treffen. Ich habe Qudrat „meine“ Stadt gezeigt – Nürnberg – indem ich ihm wie einem Touristen die schönsten Stellen gezeigt habe. Besonders bewegt hat mich, dass Qudrat mich auf die Abschlussfeier seiner Weiterqualifizierung an der Uni Bayreuth eingeladen hat. Ich war richtig stolz auf ihn.

UBTaktuell: Welche Fortschritte konnten Sie im Laufe des Programms beobachten – fachlich und persönlich?

Nicole Kromat: Qudrat ist bereits sehr selbstbewusst und motiviert in das Programm gestartet. Ich konnte ihm ein paar Impulse geben, in welche Richtung er sich noch weiterbilden muss und er verfolgt die Tipps äußerst zielstrebig. Ich freue mich, dass ich ihn kennengelernt habe und wir weiterhin in Kontakt bleiben. Ich möchte wissen wie es im weiterhin ergeht und ihm zur Seite stehen, wenn er Fragen hat.

Qudratullah Gawhari: Im fachlichen Bereich habe ich gelernt, wo und wie ich mich bewerben sollte, welche Positionen zu mir passen und welche fachlichen Lücken ich noch schließen muss. Wir haben intensiv an meinen Bewerbungsunterlagen gearbeitet. Auf persönlicher Ebene konnte ich meine Deutschkenntnisse verbessern und habe gelernt, mich sicherer auszudrücken. Nicole hat mich immer wieder motiviert und ermutigt, dranzubleiben – das hat mir sehr geholfen. Außerdem unterstützt sie mich weiterhin, zum Beispiel bei der Suche nach einem Praktikum. Ich bin zuversichtlich, dass ich meinen beruflichen Weg in Deutschland finden werde.

UBTaktuell: Was würden Sie zukünftigen Mentorinnen und Mentoren sowie Mentees mit auf den Weg geben?

Nicole Kromat: Zuerst einmal muss man wissen, was und wohin man möchte. Seid dann zielstrebig, neugierig, offen und positiv, auch wenn es zwischendurch mal nicht so gut läuft.

Qudratullah Gawhari: Nutzt jede Gelegenheit, Neues auszuprobieren. Seid offen für neue Erfahrungen – auch außerhalb eures Fachgebiets. Man lernt nicht nur fachlich, sondern auch menschlich sehr viel dazu.


Eine weitere Mentorin berichtet im Video von ihren Erfahrungen:

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Emad Al-Sharafi

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