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Die biologische Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen bildet die Lebensgrundlage für den Menschen. Spätestens seit dem Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen.“ im Jahr 2019 ist Biodiversität intensiv in die Wahrnehmung der Bevölkerung gerückt. Inzwischen ist hinreichend bekannt, dass menschliches Handeln zunehmend Veränderungen der Umwelt verursacht, die weltweit zum Verlust von Artenvielfalt führen. Aber auch genau das Gegenteil ist möglich. Auch die Aufwertung von Ökosystemen durch den behutsamen, wissensbasierten Eingriff des Menschen mit regional positiven Effekten auf die Biodiversität ist möglich.

Prof. Dr. Elisabeth Obermaier (Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth) spricht im Bayreuther Stadtgespräch am 2. Februar gemeinsam mit Robert Pfeifer, Leiter des Stadtgartenamts der Stadt Bayreuth, und Thomas Pickel, Leiter des Projekts „Urbane Insektenbiotope“ im Verein „Die Summer e.V.“ über die positiven Einflussmöglichkeiten und exemplarische Maßnahmen. Vorab haben alle drei sich den Fragen der UBTaktuell gestellt.

Die Veranstaltung findet online statt. Teilnehmen können Interessierte unter:

https://uni-bayreuth.zoom.us/j/69174600065?pwd=TVlJWmJQbHkvMVVtK2NqL0RNWk9aZz09

Meeting-ID: 691 7460 0065
Kenncode: 927889

Elisabeth Obermaier

Sie setzen sich für die Förderung von Biodiversität ein. Wieso ist diese so wichtig?
Wir haben als Menschen zum einen eine ethische Verantwortung für einen achtsamen Umgang mit der Natur und den Erhalt ihrer Vielfalt. Im Verlauf der Evolution sind durch immer neue Wechselbeziehungen und Anpassungen über Jahrmillionen tausende von einzigartigen Arten entstanden. Daneben hat die Artenvielfalt aber auch zahlreiche Funktionen für uns Menschen, die ihren Erhalt unabdingbar machen.

Dies sind z.B. unersetzliche Ökosystemdienstleitungen wie z.B. die Bestäubung eines Großteils unserer Nutz- und Wildpflanzen. Nicht zuletzt soll aber auch das Staunen über die wunderbare Vielfalt der Natur auch nachfolgenden Generationen noch möglich sein.

Was machen Sie in ihrem Zuständigkeitsbereich konkret für die Artenvielfalt?
In Lehrveranstaltungen und öffentlichen Bildungsveranstaltungen möchte der Ökologisch-Botanische Garten der Universität Bayreuth Studierende und die breite Öffentlichkeit für die Vielfalt der Organismen und ihre Anpassungen begeistern und Fachwissen zu ökologischen Zusammenhängen und Artenkenntnis vermitteln. Forschungsprojekte zusammen mit Studierenden beschäftigen sich derzeit z.B. mit der Artenvielfalt im Wald, der Vielfalt von Insekten an exotischen Pflanzen und deren Chancen und Risiken, sowie mit der Ökologie seltener heimischer Baumarten.

Im Ökologisch-Botanischen Garten haben wir zudem die Möglichkeit mit geeigneten Maßnahmen und durch naturnahe Pflege die heimische Artenvielfalt zu fördern und gefährdete Arten zu schützen. Damit möchten wir auch die zahlreichen Besucher des Gartens animieren in ihren Gärten ebenfalls Raum für Artenvielfalt zu schaffen und ihr Wissen über die Flora und Fauna zu erweitern.

Was kann jeder Einzelne tun?
Im eigenen Umfeld, z.B. auf Fensterbrett, Balkon oder Terrasse Artenvielfalt fördern indem er/sie insektenfreundliche heimische Pflanzenarten anpflanzt. Im Garten wertvolle Strukturen für Artenvielfalt schaffen, wie z.B. eine Wildblumenwiese anlegen, mit Totholz gestalten, heimische Gehölze anpflanzen, „Unkraut“ auch mal stehen lassen, sowie Nisthilfen anbieten. Sich Zeit nehmen die entstehende Vielfalt und ihre Bewohner, z.B. Wildbienen, zu beobachten und ihre Lebensweisen kennenzulernen. Nachhaltig und ökologisch konsumieren und damit einen natur-und umweltverträglichen Anbau unserer Lebensmittel fördern. Sich für den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz gefährdeter Arten, sowie einen nachhaltigen Lebensstil engagieren.

Robert Pfeifer

Sie setzen sich für die Förderung von Biodiversität ein. Wieso ist diese so wichtig?

Der Schutz der Biodiversität bedeutet natürlich zunächst einmal die Sicherung von Ökosystem-Dienstleistungen: Bestäubung, Samenausbreitung, kleinklimatische Effekte und vieles andere mehr. Mindestens genauso schwer wiegt, dass die Vielfalt des Lebens auch für den Menschen wichtig ist.

Es ist erwiesen, dass Vielfalt in der Natur, zum Beispiel eine reichhaltige Insekten-, Pflanzen- oder Vogelwelt entscheidend zum Wohlbefinden der Menschen beiträgt. Vielfalt bedeutet Lebensqualität! Ich halte es auch für notwendig, die Menschen mit dieser faszinierenden Fülle des Lebendigen wieder mehr in direkten Kontakt zu bringen. Nur durch eigene Anschauung, durch unmittelbares Erleben wird man eine Wertschätzung entwickeln, die zum nachhaltigen Schutz von Tieren und Pflanzen beiträgt.

Was machen Sie in ihrem Zuständigkeitsbereich konkret für die Artenvielfalt?
Wir haben bereits vor Jahren damit begonnen, Grünstreifen an Straßen hinsichtlich der Blütenpflanzen artenreicher zu gestalten. 2020 haben wir dann dazu stadtübergreifend ein insektenfreundliches Mähkonzept eingeführt, da zeichnen sich jetzt erste erfreuliche Entwicklungen ab. Auch in den Parkanlagen gibt es viele Möglichkeiten, etwas für die Stadtnatur zu tun, angefangen bei dem Erhalt von Biotopbäumen für höhlen- und totholzbewohnende Arten bis hin zur Vergabe von Baumpatenschaften. Weitere Gestaltungsmöglichkeiten bieten die ökologischen Ausgleichsflächen auf denen wir beispielsweise Streuobstwiesen neu begründen. Und nicht zuletzt weckt auch unser Tierpark das Interesse für bedrohte Arten aus aller Welt. Die Förderung der Artenvielfalt zieht sich bei uns also durch die verschiedensten Arbeitsbereiche.

Was kann jeder Einzelne tun?
Es wäre viel gewonnen, wenn jeder Einzelne in seinem persönlichen Umfeld der Vielfalt des Lebens etwas mehr Achtsamkeit entgegenbringen würde. Das beginnt schon bei der Gestaltung des eigenen Gartens oder Balkons, die man zu kleinen Paradiesen für Pflanzen und Insekten entwickeln kann. Man kann einem Naturschutzverband beitreten und sich dort engagieren. Man kann eine Patenschaft für einen Baum abschließen. Und ganz wichtig: seien Sie neugierig und lassen Sie sich gefangen nehmen von der Vielfalt des Lebendigen. Beobachten, staunen, Arten bestimmen und immer wieder beobachten: so entsteht Zuneigung, so entsteht Liebe zur Natur.

Thomas Pickel

Sie setzen sich für die Förderung von Biodiversität ein. Wieso ist diese so wichtig?
Derzeit steht der Mensch in einem Verbrauchsverhältnis zur Natur. Nachfolgenden Generationen wird eine an Lebensräumen und Arten verarmte Welt hinterlassen. Damit sollten wir uns nicht zufriedengeben. Ich bin überzeugt, wir können das besser. Wir müssen das besser können!

Wem dieses humanitäre Denken nicht reicht - es gibt auch etliche egoistische Gründe, warum Biologische Vielfalt wichtig ist: sie sichert Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Grundwasserqualität, Luftqualität, Feinstaubfilterung und schafft enormes Erholungs- und Genusspotenzial.

Was machen Sie in ihrem Zuständigkeitsbereich konkret für die Artenvielfalt?
Mit unserem Projekt "Urbane Insektenbiotope" wollen wir nachhaltige Städte fördern und deren Einwohner*innen für Umweltthemen, speziell Insektenvielfalt, sensibilisieren. Da Wandel davon profitiert, wenn er sichtbar wird, schaffen wir im Stadtgebiet Bayreuth öffentlich zugängliche Modelllebensräume und statten diese mit Infotafeln aus. Zudem kooperieren wir deutschlandweit mit Gärtnereien, damit das Angebot insektenfreundlicher heimischer Wildpflanzen zunimmt und dem Anlegen von naturnahen Gärten nichts mehr im Wege steht.

Was kann jeder Einzelne tun?
Legen Sie ihr Geld bei einer nachhaltigen Bank oder in einem nachhaltigen Fond an, die nicht zur Zerstörung der Natur beitragen. Kaufen Sie am besten regionale Bio-Produkte, denn der größte Verlust von biologischer Vielfalt ist durch industrialisierte Landwirtschaft verursacht. Seien Sie ein Vorbild und legen sie einen naturnahen Garten mit Fassaden und Dachbegrünung an und motivieren sie ihre Nachbarschaft mitzumachen. Verzichten sie auf ein eigenes Auto und auf den Bau von einem Eigenheim. Straßen und Neubau versiegelt und zerstört Natur. Werden Sie Mitglied bei die Summer e.V. und helfen Sie mit, Artenvielfalt zu erhalten.

Der Mitschnitt des Stadtgesprächs ist jetzt online verfügbar: https://uni-bayreuth.de/bayreuther-stadtgespraeche

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