Der Klimawandel wirkt sich in Deutschland bereits merklich auf den Wasserhaushalt aus und zeigt sich u.a. in zunehmendem Wassermangel. Das BNE-Projekt im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth (ÖBG) nutzt den evolutionär entwickelten „Ideenreichtum“ von Pflanzen aus trocken-warmen Klimazonen zur Anpassung an Wassermangel als Aufhänger, um Strategien und Handlungsoptionen für uns Menschen abzuleiten. Die Umweltbildungsmaßnahme wurde 2022 im Rahmen des Bayerischen Klimaforschungsnetzwerks (bayklif) im Forschungsprojekt AquaKlif gemeinsam mit dem ÖBG entwickelt. In der Tat gibt es hierbei Synergien: Erkenntnisse aus der Forschung fließen in das Bildungsprojekt mit ein und erreichen so weitere Zielgruppen. Die Umsetzung wird 2022/23 vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz im Rahmen der Intensivierung der Umweltbildung gefördert. Zunächst konzipiert für Schüler*innen aus den 9. /10. Jahrgangsstufen, wurde es mittlerweile methodisch für 5. Klassen bis hin zu FOS/BOS-Schulklassen angepasst.

Das Bildungsprojekt "Von Pflanzen lernen: Wasserstrategien im Klimawandel" stellt einführend den Bezug zur Lebenswelt der meist jungen Teilnehmenden und den Dürreproblemen in der Region her: der Klimawandel findet nicht irgendwo in der Ferne statt, sondern ist auch bei uns in Oberfranken zu spüren – an jeder Menge Freibadwetter, aber auch an versiegenden Quellen und Trockenschäden in den Wäldern. Bei der anschließenden Tour durch den ÖBG entdeckt die Gruppe die Strategienvielfalt, mit der sich Pflanzen in Trockengebieten weltweit an längere Wassermangelzeiten anpassen. Aktives Erforschen der physiologischen Tricks an den vielen unterschiedlichen Pflanzenarten im ÖBG unterstützt den Erkenntnisprozess, abschließend wird das Fachwissen in einer Gruppendiskussion strukturiert und grundsätzliche Strategien für den Umgang mit Trockenheit werden abgeleitet. Damit ist die Basis zum Weiterdenken gelegt: Wie können wir Menschen uns anpassen, wenn Wasser knapper wird? 

Hat die Gruppe das Komplettmodul gebucht, folgt nun Freiarbeit in Kleingruppen - es gilt, sich in begrenzter Zeit schlau zu machen zu den Themen Wasser schlau speichern und klug nutzen, Zukunftsgrün für Stadt & Gärten sowie wassersensible Ernährung. Dazu erhalten die Gruppen vorbereitete Materialkisten und die Aufgabe, ihre Erkenntnisse als Stand für eine „Zukunftskonferenz“ aufzubereiten. Die Teilnehmenden nehmen hier in der Rolle verschiedener Akteure aus Kommune, Infrastruktur-Einrichtungen, grünen Berufen, Freizeit und Bildungsbereich teil. Der Perspektivwechsel führt dazu, dass die präsentierten Themen nicht eindimensional, sondern vernetzt aus verschiedenen Blickwinkeln und Interessenslagen erörtert werden, da die Rollen mit bestimmten Wertvorstellungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz sowie Ethik und Politik verbunden sind. In der Abschlussrunde wird der Bogen zu den anfangs erarbeiteten Strategien geschlagen, die Komplexität kontroverser Interessen reflektiert sowie die eigene Mitverantwortung und Handlungsoptionen in verschiedenen Lebensbereichen abgewogen und beurteilt. Die Teilnehmenden nehmen sich Anregungen mit fürs eigene Leben: Wie könnten wir Wasser auffangen und speichern? Wo könnte Regenwasser versickern statt abzulaufen? Wo kann ich lokal (Trink-)Wasser sparen? Wie kann ich meinen "Wasser-Fußabdruck" verkleinern?

Das Bildungsmodul wird innerhalb des bayklif-Forschungsnetzwerks von der Didaktik der Geographie an der FAU wissenschaftlich evaluiert. Die bisherigen Ergebnisse zeigen positive Bewertungen des Workshops – es kommt gut an, dass die Teilnehmenden etwas selbst erarbeiten, erklären und im ÖBG forschen durften. Das Bildungsprojekt trägt – nach Selbsteinschätzung - nicht nur deutlich zum Wissenserwerb bei, sondern erhöht bei den Teilnehmenden das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Betroffenheit. Es ist demnach ganz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und der Nachhaltigkeitsstrategie der UBT, wenn sich Forschung und Bildungseinrichtungen in Zukunft häufiger als Kooperationspartner vernetzen.

Das Projekt wird 2024 weitergeführt, es ist als ganzer Vormittag oder modulweise buchbar. Buchungen für Schulklassen und andere Gruppen sind willkommen und im ÖBG unter Telefon 0921 / 55-2961 oder per E-Mail an obg@uni-bayreuth.de möglich. Weitere Informationen zum Projekt unter www.obg.uni-bayreuth.de oder www.bayceer.uni-bayreuth.de/aquaklif

Bildung für Nachhaltige Bildung (BNE): Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunfts-fähigem Denken und Handeln befähigt. Sie ermöglicht jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen. BNE umfasst dabei nicht nur Lerninhalte, sondern auch die Pädagogik und die Gestaltung der Lernumgebungen. (/www.bne-portal.de/bne/de/)

Das Projekt "Von Pflanzen lernen: Wasserstrategien im Klimawandel" ist ein gutes Beispiel:

  • Die Themen Klimawandel und Wasser sind Kernthemen der BNE. Sie sind komplex, global und gleichzeitig mit hoher lokaler Auswirkung, haben eine längerfristige Bedeutung und bergen großes Handlungspotential.
  • Das Projekt schließt an verschiedene Ziele nachhaltiger Entwicklung an ("Nachhaltige Städte und Gemeinden", "Verantwortungsvolle Konsum und Produktionsmuster", "Landökosysteme schützen").
  • Vielfältige Fakten werden mehrdimensional, interdisziplinär & handlungsorientiert bearbeitet.

Als Träger des Qualitätssiegels Umweltbildung.Bayern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz ist der ÖBG ausgezeichneter Akteur einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Dr. Birgit ThiesGeschäftsstelle Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER)

Universität Bayreuth
Dr.-Hans-Frisch-Str. 1-3
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0) 921 / 55-5700
E-Mail: birgit.thies@uni-bayreuth.de
www.bayceer.uni-bayreuth.de

Dr. Jana MessingerÖkologisch-Botanischer Garten

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Jennifer OpelStellvertretende Pressesprecherin, Leitung Campusmagazin UBTaktuell

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